Kiew – Erst fand der Krieg in der Ukraine mit Panzern auf dem Land statt. Dann verlagerte sich das Schlachtfeld immer weiter in die Luft – Drohnen beherrschen mittlerweile den Himmel. Und jetzt gibt es Aufnahmen, die zeigen, dass sich der Krieg auch unter die Erde verlegt hat! Wie ukrainische Videos zeigen, finden jetzt auch Kämpfe in leeren Wasserrohren, stillgelegten sowjetischen Gaspipelines und in Tunneln statt.
Während der Operation „Veles“ – benannt nach dem slawischen Gott der Unterwelt – rückten die ukrainischen Truppen laut 2. Nationalgardekorps „Chartija“ über unterirdische Verbindungen mehr als 15 Kilometer weit im Raum Kupjansk vor. Dabei wurde der Vorstoß unter der Erde mit Drohnenangriffen an der Oberfläche kombiniert. „Auf diese Weise wurde den russischen Besatzungstruppen die Möglichkeit genommen, in den Rücken der ukrainischen Kräfte bei Kupjansk vorzudringen“, so Chartija in einer Mitteilung. Und die Mission war erfolgreich für die Ukraine: Mehr als 30 russische Soldaten wurden gefangen genommen, 100 weitere verwundet oder getötet.
„Die Russen wollten Gasleitungen nutzen, um in den Rücken unserer Truppen vorzudringen. Wir haben die Handlungen des Gegners vorausgesehen und die Taktik der unterirdischen Kampfführung erlernt“, erklärte Brigadegeneral Ihor Obolenskyj, Kommandeur des „Chartija“-Korps. Neben seiner Einheit waren auch Drohnen-Truppen und der Militärgeheimdienst HUR an der Operation Veles beteiligt.
Kampf unter der Erde
Laut der ukrainischen Armee wurde zunächst versucht, die Rohre und deren Ausgänge mit Artillerie- und Luftangriffen zu zerstören. Russlands Truppen schafften sich jedoch neue Durchgänge, deshalb verlagerten die Ukrainer ihre Kämpfe kurzerhand unter die Erde. „In den Rohren mit einem Durchmesser von etwa 1,2 Metern finden erbitterte Kämpfe statt: Die Russen richten in den Pipelines Maschinengewehrstellungen, Barrikaden aus Sandsäcken und sogar vollständige Wohnräume ein“, erklärt die Armee.
An anderer Stelle räumten die Soldaten des ukrainischen 425. Sturmregiments „Skelja“ während der Operation „Impossible“ (deutsch: „Unmöglich“) einen mehrere Kilometer langen Abschnitt einer Gasleitung
„Im Laufe der mehrmonatigen Operation führten unsere Kämpfer Angriffe unter der Erde durch, lebten und kämpften in Dunkelheit, Kälte und Schmutz“, teilte das an den Operationen unter der Erde beteiligte ukrainische Regiment „Skelja“ mit. In den Rohren bewegten sich die Ukrainer zum Teil auf Rollbrettern fort, vor allem dort, wo die Pipelines abschüssig sind. „Einige Tage lang waren wir ständig in horizontaler Position, daher war das Erste, was wir nach dem Ausstieg tun wollten, einfach nur zu stehen.“