Hauptnachrichten

Frankreich rüstet sich für Proteste: Gepanzerte Fahrzeuge sichern den Élysée-Palast

Frankreich rüstet sich für Proteste: Gepanzerte Fahrzeuge sichern den Élysée-Palast
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Paris – Frankreich rüstet sich für neue Proteste. 70.000 Polizisten und Gendarmen sind im Einsatz, dazu Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer. Die Lage ist angespannt – besonders in Paris. Aus Angst vor Gewalt und Vandalismus bleiben mehrere große Museen geschlossen, darunter der Louvre und das Musée d'Orsay. Auch Marseille bereitet sich auf schwere Ausschreitungen vor.

Nach den heftigen Krawallen, Plünderungen und Zerstörungen vom vergangenen Wochenende gehen heute erneut landesweit Menschen auf die Straße. Die Behörden rechnen mit erheblichen Störungen – sogar die Armee ist im Einsatz.

Museen dicht, Metro-Stationen geschlossen

In Paris sind die Sicherheitsmaßnahmen besonders massiv. Zahlreiche Metro-Stationen könnten am Abend geschlossen bleiben. Nach BILD-Informationen sollen jedoch Züge in die Banlieues (Vororte) fahren. Von dort könnten erneut zahlreiche Randalierer kommen, um die Demonstrationen zu kapern. Geplant sind Proteste von Gewerkschaften, Studenten – u. a. wegen der hohen Lebenshaltungskosten – und anderen Gruppen sowie Aktionen der Gelbwesten. Der Start ist für 14 Uhr geplant. Um den Verlauf gibt es allerdings Streit: Die Polizei verlegte die ursprünglich vorgesehene Route vom Platz der Bastille zum Platz der Nation auf eine Strecke zwischen Porte de Vincennes und Porte d'Italie. Die Gewerkschaften wollen am ursprünglichen Treffpunkt festhalten.

Aus Polizeikreisen hat BILD erfahren: Die Versammlung am Platz der Bastille ist verboten. Alle mussten den Ort verlassen. Eine Polizeikette schob die Menschen, hauptsächlich Journalisten, gegen 12.15 Uhr vom Platz. Ein Polizist sagte: „Die Versammlung hier wurde gestern verboten. Sie können sich am Place d‘Italie versammeln.“

BILD-Reporter: „Schaufenster sind zugenagelt“

BILD-Reporter Till Biermann ist am Platz der Republik. „Am Vormittag war hier noch gar nichts los. Viele Leute sind auch nicht unterwegs.“ Zahlreiche Geschäfte sind geschlossen. Vorsorglich haben die Inhaber ihre Schaufenster mit Spanplatten zugenagelt.

Ex-Journalistin Michelle (75) steht vor einem zugeschraubten Laden: „Jetzt sind alle Läden geschützt“, sagt sie. „Diese Demos sind lächerlich. Sie haben nichts gebracht außer Plünderungen. Es sind viele aus den Banlieues gekommen, um da mitzumachen und unser Präsident macht nichts.“ Angst hat sie nicht. Sie wohnt nahe des Platzes der Republik und da soll es heute ein Versammlungsverbot samt Ausgangssperre ab 23 Uhr geben.

„Diese Idioten beschmieren etwas, das sie feiern sollten“

Rechtsanwalt Ian (52) zog vor 17 Jahren aus Kanada nach Paris. Er schaut sich die beschmierten Fresken an der Statue in der Mitte des Platzes der Republik an. Diese Fresken feiern die Errungenschaften der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. „Diese Idioten beschmieren etwas, das sie feiern sollten“, sagt Ian.

Für heute erwartet er: „Wir werden eine extreme Überreaktion der Polizei sehen. Die Regierung will jetzt Stärke zeigen, es wird gewalttätig werden.“ In Orléans, eineinhalb Stunden von Paris, hätten die Rechtsextremen eine Demo angekündigt, Linksextreme würden da hinreisen, sagt Ian. „Da kann es richtig eskalieren. Und in Paris soll die Armee helfen. Die ist nicht dafür ausgebildet, mit Zivilisten zu arbeiten. Die werden die Demonstranten als feindliche Kämpfer betrachten, das kann ekelhaft werden.“

Abiturient: „Das kann nachher gewalttätig werden“

Abiturient Elwan (17) trägt ein rotes Dreieck am Mantel, das Zeichen von politischen Gefangenen in der Nazizeit und jetzt der linken französischen Organisation „La France en Soumisse“ (LFI). Er sagt: „Ich will für mehr Mittel für uns Schüler und geringere Lebenshaltenskosten demonstrieren.“ Die Stadtverwaltung würde jedoch jetzt vielleicht auch die Studentendemo am Bastille-Platz verbieten und sie zum Place d‘Italie verschieben. „Sie wollen uns unterdrücken. Pass auf, das kann nachher gewalttätig werden“, sagt er. Er und seine Mitschüler kommunizieren per Whatsapp, um sich zu treffen.

Im Öffentlichen Nahverkehr gibt es bereits Einschränkungen: Laut Medienberichten sollen in Paris mehrere Metrostationen geschlossen sein. Auf mehreren Linien sind teilweise Unterbrechungen vorgesehen. Betroffen sind Bereiche vom Umfeld der Champs-Élysées und des Quartier Latin bis zum Gebiet um Daumesnil. Für bestimmte Bereiche rund um den Platz der Republik und Les Halles besteht außerdem weiterhin eine nächtliche Ausgangssperre von 23 bis 6 Uhr. Laut Medienberichten wurde sie bis Montagmorgen verlängert.

Vielleicht verpasst