Kriegschroniken

Ukraine greift Ziele in St. Petersburg vor Wirtschaftsgipfel an

Ukraine greift Ziele in St. Petersburg vor Wirtschaftsgipfel an

Die Ukraine hat nach russischen Behördenangaben kurz vor Beginn des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg Energie- und Militäranlagen in der Stadt mit Drohnen angegriffen. Gouverneur Alexander Beglow teilte mit, es seien mehrere Infrastruktureinrichtungen beschädigt worden. Aus der Ukraine hieß es, Ziel der Angriffe sei es gewesen, die für Russland wichtige mehrtägige Wirtschaftskonferenz zu stören, zu der auch Präsident Wladimir Putin erwartet wird. Die russische Regierung »Reaktionen« auf die Angriffe an.

Tote gab es nach Angaben Beglows nicht. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden ein Ölterminal der Stadt sowie der Militärstützpunkt Kronstadt auf der Ostseeinsel Kotlin vor St. Petersburg getroffen. In sozialen Netzwerken veröffentlichte er zudem ein Video, das ein brennendes Öllager zeigen soll.

Ukraine soll bei Drohnenangriffen auch ein Militärschiff getroffen haben

Nach Angaben des ukrainischen Militärs wurde bei dem Angriff auf Kronstadt auch das Kriegsschiff der russischen Ostsee-Flotte getroffen. Der Treffer habe einen Großbrand an Bord der Korvette ausgelöst, teilte die Armee auf Telegram mit. Eine Bestätigung aus Russland lag zunächst nicht vor.

Das Schiff wurde 2011 vom Stapel gelassen und ist seit 2013 im Dienst. Nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes der Ukraine (SSU) habe die in der Vergangenheit insbesondere die russische Schattenölflotte eskortiert.

Flughafen Scheremetjewo musste Betrieb einstellen

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sei auch vom Gelände des Wirtschaftsforums aus Rauch zu sehen gewesen, während die ersten Teilnehmer eintrafen. Der Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, Serhij Sternenko, kommentierte ein veröffentlichtes Video mit den Worten, das Petersburger Forum beginne mit einer schwarzen Rauchfahne im Hintergrund infolge ukrainischer Angriffe.

Wegen der Attacken musste der größte Flughafen St. Petersburgs in der Nacht für mehrere Stunden den Betrieb einstellen. Mehrere Flüge von Moskau nach St. Petersburg verspäteten sich am Flughafen Scheremetjewo.

Russischer Präsidialamtssprecher weicht bei Frage zu Gegenschlägen aus

Die Drohnenangriffe sind Teil einer Reihe von Attacken, welche die Ukraine als »Langstrecken-Sanktionen« bezeichnet. Selenskyj sagte, dieser Plan werde wie vorgesehen umgesetzt, um den Frieden näherzubringen. Russland greift die Ukraine seit Jahren aus der Luft an; zuletzt intensivierte die Ukraine im Gegenzug ihre Angriffe auf russische Öl- und Energieinfrastruktur.

Die russische Regierung nutzt unterdessen den ukrainischen Drohnenangriff auf St. Petersburg zur Begründung für die Fortsetzung des Kriegs in der Ukraine. Der russische Präsidialamtssprecher Dmitrij Peskow kündigte an, die russische Reaktion auf den Angriff in St. Petersburg werde »systemischer Natur« sein. Ein direkter Vergeltungsschlag läge aber im Verantwortungsbereich des Verteidigungsministeriums, sagte er.

Mehr als 100 Staatschefs und Prominente zum Wirtschaftsforum eingeladen

Putin will beim Petersburger Wirtschaftsforum am Freitag eine Rede halten. Zu der bis Samstag dauernden Veranstaltung werden rund 20.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Dazu zählen Vertreter enger russischer Verbündeter, etwa die Präsidenten Usbekistans und Tansanias, sowie Minister aus Kuba, Belarus, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Ebenfalls eingeladen wurden die rechtsgerichtete US-Aktivistin Candace Owens und der US-Schauspieler Steven Seagal, der von Putin ausgezeichnet wurde.

Aus Deutschland reisen die AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier und Steffen Kotré nach St. Petersburg. Auch deutsche Unternehmer nehmen teil. Nach Angaben des gehören dazu der Globus-Gesellschafter Thomas Bruch sowie der Unternehmer Stefan Dürr, der seit Jahren in Russland als Milchproduzent tätig ist und auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt.

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