Hauptnachrichten

Mpox-Proben aus Afrika: Spitzenforscher bei Viren-Schmuggel erwischt

Mpox-Proben aus Afrika: Spitzenforscher bei Viren-Schmuggel erwischt
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Detroit (US-Staat Michigan) – Er zählt zu den bekanntesten Virusforschern der Welt. Jetzt rückt Wissenschaftler Vincent Munster (53) gemeinsam mit seinem Kollegen Claude Kwe (38) ins Zentrum eines Strafverfahrens. Vorwurf: Die beiden Forscher sollen biologische Proben aus Afrika ohne die erforderlichen Genehmigungen in die USA gebracht und die Behörden darüber getäuscht haben. Der Fall sorgt international für Aufsehen, weil Munster zu den prominentesten Virologen der Welt gehört. Der Fund liegt bereits mehr als vier Monate zurück. Öffentlich wurde der Fall erst jetzt, nachdem ein Bundesgericht in Detroit die Strafanzeige entsiegelt hatte.

Die beiden Wissenschaftler wurden am 25. Januar 2026 bei ihrer Einreise über den Flughafen Detroit kontrolliert. Die Ermittler staunten nicht schlecht: Statt der angegebenen Diagnose- und Testgeräte befanden sich in einem großen schwarzen Plastikkoffer 113 Probenampullen in Styroporboxen. Nach FBI-Untersuchungen enthielten 17 Ampullen deaktiviertes Mpox-Virus (Affenpocken), eine den Windpocken-Erreger Varizella-Zoster und zwei menschliche DNA-Proben. Bislang wurden erst 20 der 113 Ampullen untersucht.

Der Niederländer Munster leitet am renommierten Rocky Mountain Laboratory (US-Staat Montana) eine Forschungsgruppe für Virusökologie. Das Labor gehört zu den US-National Institutes of Health (NIH) und forscht an einigen der gefährlichsten Krankheitserreger der Welt. Der mitangeklagte Claude Kwe arbeitet dort als Forscher in Munsters Team. Munster veröffentlichte zahlreiche Studien zu Ebola, MERS, Influenza und SARS-CoV-2. Während der Corona-Pandemie gehörte er zu den international bekanntesten Experten.

Wie der Top-Virologe die fehlenden Papiere erklärt

Einen aktiven Krankheitserreger sollen die Forscher nach bisherigem Stand nicht ins Land gebracht haben. Die US-Justiz wirft ihnen vielmehr vor, biologische Proben illegal eingeführt und die Behörden darüber belogen zu haben. Warum die Forscher die Materialien nicht auf regulärem Weg eingeführt haben sollen, ist bislang unklar. Pikant: Laut den Ermittlern soll Munster auf Nachfragen zu den fehlenden Papieren geantwortet haben: „I do this all the time“ („Das mache ich ständig.“). Jennifer Runyan, Leiterin des FBI-Büros in Detroit: „Kein Forscher sollte glauben, dass sein beruflicher Status ihn über das Gesetz stellt.“ Die Anwälte der Beschuldigten äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Für die beiden Wissenschaftler geht es um viel. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen laut US-Medien mehrere Jahre Gefängnis. Hinzu kommen mögliche Geldstrafen und gravierende Folgen für ihre weitere wissenschaftliche Laufbahn.

Vielleicht verpasst