Berlin – Ein unscheinbarer Haufen aus trockener Erde und Sand, inmitten von teils mit Gräsern zugewucherten Gräbern – das ist das Grab des CSD-Terroristen Abdul Ballout. Ein Zufall ist das nicht. Ballouts Angehörige wollten so wenig Aufsehen wie möglich. Heimlich haben sie unter Polizeischutz den Islamisten beerdigt, der aus tiefem Hass tiefes Leid verbreitete.
Kein Kranz, keine Kerze, kein Name: Jetzt erinnert hier nichts mehr an den Islamisten, der am 25. Juli mit einem weißen Citroën-Transporter in eine Menschenmenge am Rande des CSD fuhr, anschließend mit einer Machete um sich stach. 31 Menschen werden verletzt. Eine Polin (65) starb. Sie war aus Warschau angereist, mit ihrer Tochter, die zu den Verletzten des Anschlags gehört.
Der Landschaftsfriedhof Gatow ist einer von drei Friedhöfen in Berlin, die auch eine islamische Ruhestätte haben. Er liegt ganz am Rande von Berlin – nur gut 6 Kilometer entfernt von der Laube, vor der Abdul Ballout am 26. Juli von der Polizei erschossen wurde. Er soll beim Zugriff mit einer Stichwaffe auf die Beamten zugelaufen sein. Das Gelände ist weitläufig, die muslimischen Gräber liegen im hinteren Bereich, gerade wurden zwei neue Abschnitte erschlossen. Die Grabstätten sind gen Mekka ausgerichtet, also nach Südosten. Neben fast jedem Grab steht eine Bank oder ein Stuhl. Angehörige wollen so nah bei den Verstorbenen sein, spielen dort arabische Musik ab. An den Wegen wachsen Birken, die ihre Zweige hängen lassen.
Polizei riegelt Friedhof ab
Am Dienstag wurde Terrorist Ballout hier im kleinsten Kreis beigesetzt. 190 Polizisten hatten den kompletten Friedhof schon Stunden vorher abgeriegelt. Ab 11 Uhr standen Mannschaftswagen auf dem Gelände, Beamte patrouillierten über den Friedhof und schickten Reporter weg. Um 13 Uhr begann die Beisetzung. Nach BILD-Informationen nutzten Ballouts Angehörige einen Seiteneingang, um zur Beerdigung zu kommen. Nach der 50-minütigen Zeremonie rückte ein Minibagger an und die Polizei ab.
Bis zum Grab von Abdul Ballout ist es ein langer Weg. Fast zehn Minuten ist man zu Fuß unterwegs, einmal über den ganzen Friedhof, bis in die hinterste Ecke. Die Ruhestätte links daneben wird von langen Grashalmen überwuchert. Zur Rechten ist die Holzeinfassung des Grabes eingestürzt. So wie die Welt der Familien, über die der junge Mann mit seinem Hass so viel Leid gebracht hat.