Toledo (Spanien) – Erst die Warnungen, dann die Katastrophe! Spanien steht nach einem verheerenden Zugunglück unter Schock. Mindestens 68 Menschen kamen beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge ums Leben. Während Retter noch in den zerstörten Waggons nach Opfern suchen, bekommt ein seit Wochen schwelender Streit um die Sicherheit auf Spaniens Schienen plötzlich eine neue Dimension.
Denn ausgerechnet für den Tag nach der Katastrophe hatten Mitarbeiter der staatlichen Bahngesellschaft Renfe einen Streik angekündigt. Einer der Gründe: Sicherheitsbedenken. Der Streik war bereits lange vor dem tödlichen Unglück geplant.
Streik wegen Sicherheitsbedenken
Schon Mitte Oktober hatte die Gewerkschaft SEMAF zu dem Ausstand aufgerufen. Ihre Forderungen: mehr Sicherheit im Bahnverkehr, besseres Notfallmanagement, eine zuverlässigere Instandhaltung und mehr Personal. Die Gewerkschaft wirft der Bahngesellschaft vor, frühere Vereinbarungen nicht umgesetzt zu haben. Die Bahngesellschaft weist die Vorwürfe zurück und erklärt, ihren Verpflichtungen im eigenen Zuständigkeitsbereich nachgekommen zu sein.
Ob die von SEMAF kritisierten Missstände etwas mit der Katastrophe zu tun haben, ist bislang völlig offen. Doch bei den Ermittlungen gerät nun eine möglicherweise folgenschwere Entscheidung im Kontrollzentrum in den Fokus.
Menschliches Versagen oder strukturelles Problem?
Am Mittwochmorgen fiel offenbar die Computerkommunikation aus, das automatische Sicherheitssystem funktionierte nicht mehr. Die Züge mussten stoppen, der Iryo-Zug blieb auf der Strecke stehen. Doch ein nachfolgender Renfe-Zug erhielt aus der Leitstelle in Madrid fälschlicherweise die Freigabe zur Weiterfahrt. Wenig später raste er in den stehenden Zug. Verkehrsminister Óscar Puente (57) bezeichnete den Ablauf als „unerklärlich“.
Ob die kritisierten Sicherheitsmängel bei der heutigen Katastrophe eine Rolle spielten, ist noch offen. Fakt ist jedoch: Es ist bereits das zweite verheerende Zugunglück in Spanien in diesem Jahr. Erst im Januar starben bei einem Zusammenstoß zweier Züge bei Adamuz 46 Menschen, 152 wurden verletzt. Nach ersten Ermittlungen war damals eine gebrochene Schiene die Ursache.