Bonn (NRW) – Welches schreckliche Leid mussten ihre Kinder nur erleben? Im Mai vergangenen Jahres machten Passanten die schockierende Entdeckung: Zwei halbnackte Kleinkinder (3, 5) liefen allein und unterernährt auf der Straße herum. Als Polizisten die Geschwister zu ihrer Mutter bringen wollten, sahen die Beamten mit eigenen Augen, wo die Kinder wohnen mussten.
Seit Mittwoch stehen Christin B. (22) und ihr Lebensgefährte Stefan F. (30, nicht der leibliche Vater der Kinder) nun wegen Misshandlung vor dem Bonner Landgericht. Laut Anklage sollen die insgesamt drei Kinder in ihrer Wohnung unzureichend ernährt worden sein, sodass bei ihnen ein extremes Untergewicht und eine Entwicklungsverzögerung festgestellt wurde. Zudem soll das jüngste Kind häufig ganztägig entweder in einer Babywippe oder einem Buggy fixiert gewesen sein. Auch die beiden anderen Kinder sollen regelmäßig festgebunden worden sein. Als Stefan F. mehrfach die Kinder geschlagen haben soll, soll Christin B. nichts gegen die Misshandlungen unternommen haben.
Kinder saßen in verdunkelten Räumen
Hinter den heruntergelassenen Gardinen, in einer vermüllten, nach Kot stinkenden Wohnung in Zülpich (NRW) verbrachten über Monate hinweg drei Kinder ihren Alltag. Nachbarn berichteten von regelmäßigen Schreien, die aus der Wohnung kamen.
Spätestens am 6. Januar des vergangenen Jahres sollen Christin B. und Stefan F. gewusst habe, dass das jüngste Kind aufgrund extremer Unterernährung nachhaltige Gesundheitsschäden davontragen könnte. Aus Sorge, sich für den schlechten Zustand der Kinder verantworten zu müssen, sollen sie keinen Arzt aufgesucht haben.
Mutter schildert eigene Kindheit
Am ersten Verhandlungstag wollten die beiden Angeklagten sich nicht zu den Vorwürfen gegen sie äußern. Stattdessen schilderte Christin B. ihre schwere Kindheit, die von Gewalt und mehreren Aufenthalten in einem Kinderheim geprägt war. „Als ich 14 Jahre alt war, wurde ich von meinem damaligen Lebensgefährten, der zu diesem Zeitpunkt 48 war, zum ersten Mal schwanger“, erzählte sie im Gerichtssaal. Auch die zwei anderen Kinder habe sie von dem Mann bekommen.
Der Prozess gegen die beiden soll in den kommenden Wochen fortgeführt werden.