Hainan (China) – Es war ein Kampf gegen die Wellen, gegen die Macht des Meeres. Ein Kampf gegen Hitze, Kälte, den schlimmer werdenden Durst, den Hunger. Ein Kampf gegen das Ertrinken. Qin J. (39) hat ihn gewonnen. Sieben Tage trieb er durchs Meer. Dies ist die Geschichte seines Überlebens.
Der Großhändler aus dem Süden Chinas machte Urlaub auf der Insel Hainan im Südchinesischen Meer. Am 27. Mai 2026 um kurz vor Mitternacht ging er an einem Damm spazieren. Der Chinese rutschte aus und stürzte ins Meer. Die Zeitung China Daily zitiert Qin J.: „Ich konnte den Boden nicht berühren. Riesige Wellen drängten mich immer weiter hinaus. Jedes Mal, wenn ich Richtung Ufer schwamm, zogen mich die Wellen wieder aufs Meer. Ich kam nicht zurück ans Land.“ Ein Handy hatte er nicht bei sich. Die Polizei entdeckte auf den Bildern einer Überwachungskamera später den Sturz des Mannes.
Mann lässt sich im Meer treiben
Die Kraft des Meeres war gewaltig, Qins Kräfte schwanden schnell, er ließ sich treiben – in der Hoffnung, dass vorbeifahrende Schiffe ihn entdecken würden. Vergebens! Als es hell wurde, war die Küste nicht mehr zu sehen. Um Energie zu sparen, zog er Schuhe und Hosen aus, ließ seine Uhr und einen Ring im Meer versinken.
Drei Bojen retteten Qins Leben. Die erste entdeckte am zweiten Tag. Er kletterte hinauf und schlief, bis ihn eine Welle zurück ins Wasser warf. Am dritten Tag erreichte er eine Navigationsboje, kletterte auch auf diese. Qin trank seinen Urin. Doch er fürchtete, zu verhungern. Er ließ sich wieder ins Meer fallen und weitertreiben. Am vierten Tag entdeckte Qin eine weitere Navigationsboje. Sie hat laut Zeitungsbericht einen mit Schaumstoff verkleideten Sockel. Er klammerte sich daran fest und entdeckte Seekrebse im Schaumstoff, die er fing und aß.
Rettung durch Fischer
Am siebten Tag entdeckten Fischer den völlig erschöpften Mann etwa zehn Kilometer vor der Küste. Die Retter gaben Qin Wasser, spülten seine Wunden, sorgten für Kleidung und massierten seine Beine. In kritischem Zustand kam er ins Krankenhaus. Ärzte diagnostizierten schwere Dehydrierung und mehrere infizierte Wunden von Riffen und Meereslebewesen. Dazu kamen Geschwüre in Mund und Rachen vom Verzehr der rohen Krebse sowie innere Verletzungen durch das Trinken von Urin und Meerwasser.
Nach zwei Tagen intensiver Behandlung hat sich Qins Zustand verbessert. Er soll demnächst entlassen werden. Als Erstes möchte Qin die Fischer besuchen, die sein Leben retteten. Er sagt: „Egal, wie gefährlich oder hoffnungslos die Dinge werden. Wenn Sie einen ruhigen Geist behalten, können Sie es durchstehen.“