Washington/Teheran – Noch am Sonntag klang Donald Trump (79), als stünde die Einigung mit dem Iran unmittelbar bevor. Der US-Präsident sprach von einem „weitgehend“ ausgehandelten Rahmenabkommen, es würden nur noch die letzten Details besprochen. Immer wieder erhöhte Trump den Druck auf Teheran massiv und suggerierte: Für den Iran tickt die Uhr.
Doch plötzlich der Kurswechsel. Nun mahnt Trump zur Geduld. Seine Unterhändler sollten „nichts überstürzen“, erklärte der Präsident. „Die Zeit ist auf unserer Seite.“ Und er legt erneut nach. Auf Truth Social griff er Kritiker eines möglichen Iran-Abkommens scharf an und erklärte: „Der Deal mit dem Iran wird entweder ein großartiger und bedeutender Deal – oder es wird keinen Deal geben.“ Also ist doch nichts in trockenen Tüchern?
„Wahrscheinlich, dass es zu irgendeinem Text kommt“
Der Kölner Politikwissenschaftler und USA-Experte Thomas Jäger glaubt, dass es durchaus zu einer Einigung kommen könnte – allerdings wohl eher zu einer schnellen politischen Übergangslösung als zu einem historischen Durchbruch. „Beide Seiten wollen den Krieg beenden, die arabischen Staaten auch, China macht Druck, es ist sehr wahrscheinlich, dass es zu irgendeinem Text kommt“, sagte Jäger zu BILD. Doch er warnt zugleich: „Was der wert ist, ist eine andere Frage.“
Trump unter massivem Druck
Auch Politikberater Julius van de Laar sieht Trump massiv unter Druck. „Die Zwischenwahlen sind weniger als ein halbes Jahr entfernt, der Spritpreis liegt nach wie vor bei durchschnittlich 4,50 Dollar pro Gallone (3,785 Liter) – und Trumps Umfragewerte sind historisch desaströs“, sagte van de Laar zu BILD. „Er ist angetreten, um die Preise zu senken. Jetzt braucht er dringend ein Signal – an die Bürgerinnen und Bürger, aber auch an die Märkte –, dass es wieder aufwärtsgeht.“
Nach Einschätzung der Experten versucht Trump deshalb vor allem, möglichst schnell aus der Eskalation herauszukommen. „Trump will keine Zeit gewinnen, weil er keine hat. WM, 250-Jahr-Feier, Zwischenwahlen. Trump braucht eine schnelle Absichtserklärung“, so Jäger.
Was zählt als Trumps Erfolg?
Van de Laar stellt die entscheidende Frage: Was ist überhaupt ein echter Verhandlungserfolg für Trump? Außenminister Marco Rubio (54) habe das Ziel zwar klar benannt – freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Doch das, so van de Laar, sei „auch genau der Stand vor den Angriffen im Februar“.
Milliarden an Kriegskosten, gefallene amerikanische Soldaten, gestiegene Inflation – und am Ende dasselbe Ergebnis wie zuvor? Diesen Status quo als Sieg zu verkaufen, „wird schwer“, sagt van de Laar. Trump brauche dringend einen Ausweg, der als echter Sicherheits- oder Wirtschaftsgewinn für Amerika wahrgenommen werden könne.