Lagos – Die Welt steckt in der Krise, doch bei einem Mann klingelt die Kasse: Aliko Dangote – Afrikas reichster Mann – ist durch den Iran-Krieg um über fünf Milliarden Dollar reicher geworden. Seine neue Raffinerie in Lagos ist zum weltweit größten Einzelexporteur von Kerosin aufgestiegen und beliefert nun die USA und Europa – während Millionen Afrikaner unter steigenden Kraftstoffpreisen leiden. Das berichtet die „New York Times“.
Der gebürtige Nigerianer gründete 1981 die Dangote Group und machte aus einem kleinen Handelsunternehmen einen Milliarden-Konzern. Heute produziert Dangote nicht nur Zement, sondern auch Zucker, Salz, Mehl, Öl und Düngemittel.
Kriegskrise wird zum Geschäft
Dann eröffnete er eine gigantische Raffinerie in Lagos. Sie wurde nach Unternehmensangaben kurz vor der Bombardierung des Irans durch die USA voll betriebsbereit. Die Weltlage kam seinem Geschäft dann genau richtig: Durch die Konflikte zwischen den USA und dem Iran ist die Straße von Hormus aktuell blockiert. Durch die Meerenge läuft ein großer Teil des weltweiten Ölhandels. Gleichzeitig haben ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die russischen Lieferungen nach Afrika reduziert. Die Ölströme aus Europa und dem Persischen Golf nach Afrika sind stark zurückgegangen.
Bei Dangote boomt deshalb das Geschäft. Experte Daniel Evans von „S&P Global Energy“ bezeichnet das Werk als „den weltweit größten Einzelexporteur von Kerosin“. Auch die USA werden von der Dangote-Raffinerie jetzt mit Kerosin beliefert.
Die Raffinerie beliefert auch Südafrika in großem Umfang. Ostafrika bezog über 65 Prozent seiner raffinierten Erdölprodukte aus dem Nahen Osten. Als die Lieferungen durch den Krieg ausblieben, standen Tankstellen in Kenia leer, während es bei Dangote gerade richtig zu laufen begann.
Und es geht sogar noch weiter: Eine Investmentgruppe aus Dubai steckt eine Milliarde Dollar in die Raffinerie – für einen geplanten Börsengang in Nigeria. Der Börsengang könnte Afrikas größter werden.
Millionen Afrikaner zahlen mehr
Während Dangote Milliarden gewinnt, zahlen Millionen Afrikaner mehr für Kraftstoff. Die meisten afrikanischen Länder müssen ihr Rohöl im Ausland verarbeiten lassen, weil die eigenen Raffinerien stillstehen. Nigeria hat drei staatliche Raffinerien, die alle derzeit nicht in Betrieb sind.
Dangote steht wegen angeblicher monopolistischer Praktiken in der Kritik. Menschenrechtsanwalt Deji Adeyanju behauptet in der „New York Times“, der Milliardär habe zu viel Einfluss auf die Regierung.
Klar ist jedenfalls: Während der Krieg für die meisten Menschen das Leben teurer macht, füllen sich die Konten von Aliko Dangote immer weiter.