Berlin – Der deutschstämmige Tech-Investor und -Unternehmer Peter Thiel (u. a. PayPal, Facebook) gehörte zu den frühesten Unterstützern von US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance. Jetzt übt er deutliche Kritik an ihrem Regierungsstil – und prophezeit ein Erstarken der Linksaußen-Kräfte.
Bei MD MEETS, dem Podcast von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, erklärte Thiel, dass er noch keine endgültige Bilanz zu Trump ziehen könne: „Das sollten Sie mich in etwa zehn Jahren fragen. Dann werden wir sehen, wie sich das alles entwickelt hat.“ Für Trumps Wahl machte er „in vielerlei Hinsicht das Versagen des Establishments“ verantwortlich. Dieses habe es nicht geschafft, viele Probleme in den USA zu lösen, etwa „die Wachstumsschwäche, einige der Herausforderungen der Globalisierung und die endlosen Verstrickungen der USA im Nahen Osten“.
Über die beiden Trump-Regierungen sagte Thiel: „Die erste Regierung holte all diese Leute ins Team, die sich untereinander auf nichts einigen konnten.“ Dies sei nun anders, aber nicht besser: „Die zweite Regierung übersteuerte bei der Korrektur dieses Fehlers (...) – mit dem Ergebnis, dass die Regierung mit Leuten besetzt wurde, die zwar nicht besonders klug, dafür aber sehr loyal sind.“
Obwohl Thiel den derzeitigen Vizepräsidenten JD Vance früh förderte und dessen Wahlkampf mit Millionenspenden unterstützte, zweifelt er an dessen Wahlsieg im Fall einer Präsidentschaftskandidatur. Darauf angesprochen, ob Vance oder Außenminister Marco Rubio besser für die Republikaner wäre, sagte Thiel: „Ich bin nach wie vor ein Anhänger von Vance. Ich fürchte allerdings, dass es für beide Kandidaten schwierig werden wird, zu gewinnen.“
Pessimistisch äußerte sich der Tech-Investor über die Aussichten der Republikaner bei den Zwischenwahlen im November – und die Folgen für die Präsidentschaftswahlen 2028. Thiel fürchtet eine Übernahme der Demokraten durch die „Democratic Socialists of America“, eine teils linksextreme und immer einflussreicher werdende Vereinigung. Thiel: „Ich glaube, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen in anderthalb Monaten gut genug abschneiden werden, dass es ihnen letztlich gleichgültig sein wird, ob ihr Präsidentschaftskandidat aus der Mitte links oder vom äußersten linken Flügel kommt. Und dann ist das Rennen völlig offen, der Ausgang völlig ungewiss.“
Er „fürchte, dass das demokratische Establishment genauso sehr gescheitert ist wie zuvor das republikanische Establishment. Deshalb wird es zu diesem Umbruch kommen. Und es besteht die Gefahr, dass die USA sehr weit nach links rücken.“ Der libertäre Amerikaner hält einen Wahlsieg einer sozialistischen Demokraten-Partei für existenziell gefährlich. „Die Demokratische Partei ist die wichtigere Partei. Sie ist in den USA die Partei des Establishments“, so Thiel. „Wenn also die Democratic Socialists die Demokratische Partei übernehmen, wäre das eine sehr viel größere Sache. Das wäre das Ende Amerikas.“