Berlin – Die rasante Ausbreitung des gefährlichen Eichenprozessionsspinners in der Hauptstadt schreitet seit Jahren rasant voran. Erstmals verzeichnen auch die Bezirke Neukölln und Marzahn einen extremen Anstieg bei den befallenen Bäumen. Seit Freitag sind auch Teile des Görlitzer Parks in Kreuzberg gesperrt.
Wie in den Vorjahren sind Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und Spandau am stärksten betroffen. Diese Bezirke haben stadtweit die meisten Eichen in Straßen und Anlagen. Die Schwerpunkte des Befalls liegen vor allem in Waldnähe, aber auch Parks, Grün- und Sportanlagen sind zum Ziel der Gift-Raupen geworden.
Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) warnt ihre Besucher vor dem Eichenprozessionsspinner. Betroffen sind der Schlossgarten Charlottenburg die Pfaueninsel sowie die Parks von Sanssouci, Babelsberg und des Neuen Gartens in Potsdam.
Sportanlagen und Parks dicht
Wegen des massiven Befalls des Eichenprozessionsspinners ist seit Freitag die Grillwiese im Görlitzer Park bis auf Weiteres gesperrt, wie der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mitteilte.
Bereits am Mittwoch sperrte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mehrere Sportanlagen (vorsorglich bis Donnerstag, 18. Juni).
- die Wally-Wittmann-Sportanlage an der Waldschulallee 34-45,
- die Hans-Rosenthal-Sportanlage am Kühlen Weg 12,
- die Julius-Hirsch-Sportanlage an der Harbigstraße 40
- die Tennisplätze Harbigstraße 34
- das Mommsenstadion mit der angrenzenden Rollsportfläche
Die Sportanlage Jungfernheide am Jungfernheideweg 70 ist bereits seit Freitag, 29. Mai, geschlossen (voraussichtlich bis Sonntag, 14. Juni). Rad- und Gehweg am angrenzenden Saatwinkler Damm sind ebenfalls dicht.
In Spandau befürchtet die FDP-Fraktion die erneute Schließung des Strandbades Jungfernheide wie im vergangenen Jahr. Auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg warnte am Dienstag vor einer Gesundheitsgefahr durch Eichenprozessionsspinner.
Dunkelziffer deutlich höher
5032 befallene Eichen an 881 Standorten im gesamten Stadtgebiet verzeichnete die Senatsverwaltung für Umwelt im vergangenen Jahr. Die Dunkelziffer nicht gemeldeter Nester ist hoch. Es muss demnach davon ausgegangen werden, dass deutlich mehr Eichen befallen sind.
Obwohl die Bezirke ständig Raupen und Nester bekämpfen und entfernen, stieg die Zahl der befallenen Standorte weiter. Für 2026 rechnen Experten mit einer erneut steigenden Zahl. Die trockenen und warmen Bedingungen seien ideal. Im Juni bilden die Raupen ihre gefährlichen Brennhaare aus – dann ist die Gesundheitsgefahr am größten.
Die feinen Brennhaare der Raupen enthalten ein giftiges Eiweiß namens Thaumetopoein. Das kann bei Menschen gesundheitliche Beschwerden auslösen – darunter Hautreizungen, Juckreiz und Atemwegsprobleme. In Einzelfällen sind sogar allergische Schocks möglich. Auch grippeähnliche Symptome können auftreten.