Bordeaux – Schwer beladene Autos quälen sich über die verstopften Ausfallstraßen rund um Bordeaux, dazwischen immer wieder Krankenwagen mit Blaulicht. Wer kann, verlässt die Vororte der französischen Metropole jetzt. Nur weg, bevor das Feuer kommt! Denn während die verheerenden Waldbrände im Westen der Großstadt noch immer nicht unter Kontrolle sind, droht neues Unheil.
„Das Feuer breitet sich völlig willkürlich und richtungslos aus“, sagt Guillaume Millet von der Feuerwehr des Départements Gironde gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Wir können es nicht vorhersehen.“
Feuer jetzt 15 Kilometer vor Bordeaux’ Vororten
Am Samstag wüteten die Flammen noch 30 Kilometer vor den Außenquartieren der Stadt, inzwischen hat sich die Feuerwalze auf 15 Kilometer herangefressen. Unermüdlich schlagen Feuerwehrleute mit Bulldozern Schneisen in die trockenen Kiefernwälder, Löschflugzeuge kreisen am Himmel. Gendarmerie und Polizei haben die Vororte bis an die Stadtgrenzen heran geräumt, 167.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Zufahrtsstraßen und Teile der Autobahnen sind gesperrt. Auch der Bahnverkehr nach Bordeaux wurde eingestellt.
Atemschutzmasken schon ausverkauft
In vielen Apotheken der 274.000-Einwohner-Stadt sind FFP2-Masken ausverkauft, berichtet die Regionalzeitung „SudOuest“. Wer auf den Straßen unterwegs ist, bedeckt Mund und Nase, um sich vor dem beißenden Rauch zu schützen, der vom Westen herüberzieht.
Die Regierung in Paris hat die Lieferung von 1,5 Millionen FFP2-Masken angekündigt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Armee angefordert, um die Zivilschutzmaßnahmen zu unterstützen. Tausend Soldaten sollen den Feuerwehrleuten helfen.
Neue Hitzewelle „sehr schlechte Nachricht“
Noch stehe die Evakuierung der Stadt „nicht auf dem Programm“, sagt Bürgermeister Thomas Cazenave (48). Doch der Kampf um Bordeaux hat längst begonnen.
Denn hinter den Flammen kündigt sich von Westen her ein neuer Gegner an: das Wetter. Ab morgen droht der Region die inzwischen vierte große Hitzewelle – mit Temperaturen bis 40 Grad! „Das Auftreten dieser neuen, heftigen Hitzewelle ist angesichts der Dürre und der Rekord-Waldbrände eine sehr schlechte Nachricht“, warnen die Experten des nationalen TV-Wetterkanals La Chaîne Météo.
„Großangriff mit Bodentruppen und Bulldozern“
„Wir müssen schnell und entschlossen handeln“, erklärte der Regionalpräfekt Gilles Clavreul auf einer Pressekonferenz: „Etwa zehn Kilometer des 47 Kilometer langen Umkreises um das Brandgebiet sind rot markiert. Dort werden wir heute mit Bodentruppen und Bulldozern einen Großangriff starten, damit das Feuer nicht erneut aufflammt.“
„Stoßen an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit“
Denn nicht nur die BILD-Reporter vor Ort fürchten: „Wenn die letzten Vororte fallen, dann fällt auch Bordeaux.“ Gegenüber dem Sender France Inter warnte der Feuerwehr-Oberstleutnant David Annotel bereits: „Wir stoßen an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit und stehen kurz vor einer operativen Unmöglichkeit ...“