Kopenhagen/Moskau – Europa blickt mit wachsender Sorge Richtung Moskau: Neue Satellitenaufnahmen und Geheimdienstinfos zeigen laut dänischem Sender DR, dass Russland seine Militärpräsenz entlang der Grenzen zu Europa deutlich ausbaut. Der Verdacht: Der Kreml bereitet sich auf einen möglichen Großkonflikt mit der Nato vor.
Demnach werden Militärbasen erweitert, neue Standorte aufgebaut und Kampftruppen in Richtung Norden und Baltikum verlegt. Besonders betroffen seien die Regionen rund um die Ostsee. Geheimdienstchefs aus Skandinavien und ranghohe Nato-Offiziere warnen laut Bericht vor einem gefährlichen Zeitfenster: Die nächsten ein bis drei Jahre gelten als die „absolut gefährlichsten“ für eine mögliche militärische Konfrontation.
Die Nato sei auf einen solchen Konflikt nur unzureichend vorbereitet. Der dänische Generalmajor Brian Nissen wird mit den Worten zitiert: „Es wird ein Krieg sein, der in allen Dimensionen stattfindet. Er wird an Land, in der Luft, auf See, im Weltraum und im Cyberspace stattfinden.“ Er spricht von einer möglichen „Existenzfrage“ für Europas Demokratien.
Russland schafft Platz für Soldaten an der Grenze
Zugleich klagen Nato-Offiziere: Europa hat zu wenig Truppen, Drohnen, Kampfflugzeuge und Weltraumtechnik. Ein hochrangiger Offizier wird so zitiert: „Uns fehlen konventionelle Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Uns fehlen Technologie und Infrastruktur im Weltraum, zu denen jeder in Europa Zugang haben sollte. Und uns fehlen unbemannte Systeme zu Lande, zu Wasser und in der Luft.“
Und: Satellitenanalysen, die DR gemeinsam mit weiteren Medien ausgewertet hat, zeigen eine deutliche russische Aufrüstung entlang der Grenze zu Europa. Der frühere finnische Geheimdienstoffizier Marko Eklund sagte dem Sender, Russland schaffe gezielt Kapazitäten für zehntausende zusätzliche Soldaten. Besonders alarmierend: Russland baut seine Armee um – statt kleinerer Brigaden setzt Moskau zunehmend auf große Divisionen. Insgesamt könnten nach Ende der Kämpfe in der Ukraine rund 115.000 Soldaten nahe der Nato-Grenzen stationiert werden, im Ernstfall deutlich mehr.
Kreml spricht von „Lügen“
„Es handelt sich sehr wohl um eine Bedrohung, die wir ernst nehmen sollten“, sagte der Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes, Thomas Nilsson, dem Sender DR. Mehrere Quellen betonen aber: Wladimir Putin (73) habe sich bislang nicht für einen sofortigen Angriff auf Nato-Gebiet entschieden. Die russische Seite weist die Vorwürfe zurück. Kreml-Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, spricht von „Lügen“ und erklärt, nicht Russland, sondern die Nato stelle die eigentliche Bedrohung dar.