Mexiko-Stadt – Er hört sich einfach gerne reden. 33 Minuten am Stück plaudert Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) bei der Auftakt-Pressekonferenz zur WM in Mexiko-Stadt. Verspricht dabei ein problemloses Turnier, aber rund um die Veranstaltung funktioniert noch nicht mal das WLAN.
Erst wenige Minuten, bevor der Schweizer die Bühne betritt, kommt es zurück. Auf die Panne geht er aber gar nicht ein.
Stattdessen begrüßt er die anwesenden Journalisten in fünf Sprachen. Dann sagt er: „Ich hoffe, wir können ein bisschen über Fußball reden. Ich weiß, dass es aktuell andere Themen gibt. Die werden wir auch besprechen. Aber ich bitte Sie, sich auf Fußball zu konzentrieren.“
Kein Vergleich zu seiner bizarren Pressekonferenz vor der WM in Katar vor vier Jahren. Die begann er damals mit den Worten: „Heute fühle ich sehr starke Emotionen, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert. Heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“
Auf solche gedanklichen Ausflüge verzichtet er in Mexiko.
Spricht stattdessen über
► Christophe Gleizes
Für den französischen Journalisten wurde bei der Pressekonferenz symbolisch ein Platz freigelassen. Er sitzt seit Mai 2024 im Gefängnis. Wo – das verschweigt Infantino. Vielleicht um das Teilnehmerland Algerien nicht zu verprellen. Dort wurde Gleizes zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Vorwurf: „Verherrlichung von Terrorismus“. Auch das verschweigt Infantino, sagt aber: „Ich hoffe auf Gnade für ihn.“
► den Iran
„Ich bin sehr glücklich, dass der Iran an der WM teilnimmt. Ich habe ihnen versprochen, dass ich nach Teheran komme und sie mit dem Bus zum Turnier fahren werde, wenn es sein muss. Ich weiß nicht, wer, außer der Fifa, dafür sorgen kann, dass der Iran unter den aktuellen Umständen hierherkommen kann.“
WM: Fifa-Präsident Infantino über den Iran: „Hätte sie auch mit dem Bus abgeholt“
► Ticketpreise
„Wir haben über 6 Millionen Tickets verkauft, die Anfrage war unglaublich. Da möchte ich allen Fans danken, die ein Ticket gekauft haben, um bei der WM dabei zu sein. Es ist ein tolles Event und eine Once-in-a-Lifetime-Experience. Unser Startpreis, der bei 60 Dollar liegt, ist der niedrigste aller Playoffs im US-Sport. Unser Durchschnittspreis liegt bei unter 500 Dollar und auch das ist weniger, als in den Playoffs. Auf dem Zweitmarkt werden die Tickets natürlich für höhere Preise verkauft. Unsere Ticket-Preise sind angemessen. Sie wurden von vielen Experten analysiert und entschieden.“
► Visa-Probleme
„Wir haben viel gehört und gelesen. Wir haben uns um viele Visa gekümmert, sind mit der US-Regierung zu einer Lösung gekommen. Natürlich ist es traurig, was mit Omar, dem Schiedsrichter aus Somalia, passiert ist. Aber da sage ich: Chilt mal, relaxt! Wir sind dran, eine Lösung zu finden. Das funktioniert besser, wenn nicht herumgeschrien wird. Aber wir können nicht alles kontrollieren. Wir versuchen jedoch immer, Lösungen zu finden. Wir müssen jedoch respektieren, dass wir nicht die Könige der Welt sind und nicht über Regierungen entscheiden können. Wir wollen die Welt vereinen. Die Leute sollen die Emotionen spüren, die sie als Kinder gefühlt haben.“
► die Änderungen bei der Hymnen-Zeremonie
„Alle Spieler werden auf dem Spielfeld sein. Diese Idee ist entstanden nach einer Unterhaltung, die ich mit Alessandro Del Piero hatte. Er sagte: Wir sind doch alle Teil des Teams. Und da hatte er recht. Wir haben mit anderen Menschen darüber gesprochen. Und alle hielten es für eine gute Idee. Denn alle Spieler sollen diesen emotionalen Moment spüren und erfahren dürfen.“
Hintergrund: Wie die Fifa kurz vor Turnierstart bekanntgab, werden erstmals auch die Ersatzspieler während der Hymnen-Zeremonie auf dem Platz stehen. Zudem stellen sich die Spieler nicht mehr klassisch nebeneinander auf, sondern bilden einen Kreis um ein Banner im Mittelkreis.
► die Wahl der USA als Gastgeber
„Ich bereue gar nichts. In den letzten 30 Jahren habe ich Events organisiert. Dabei bin ich schon immer mit Problemen konfrontiert worden. Ich möchte allen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden. Ich hoffe immer, dass es keine Probleme gibt. Falls doch, hoffe ich, dass wir sie lösen können.“
Um 13.39 Uhr Ortszeit ist die Pressekonferenz dann vorbei – nach etwas über einer Stunde. Heißt: Die Journalisten durften rund 30 Minuten Fragen stellen. Angesetzt war die Nummer auf zwei Stunden. So oder so: Lange an die Veranstaltung erinnern wird sich wohl niemand.
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