Hameln (Niedersachsen) – Schock und Angst sitzen immer noch in ihren Gliedern. Eine 13-Jährige erlebte in einem städtischen Jugendzentrum den puren Horror. Umzingelt von einem Pulk Jugendlicher, wurde sie geschlagen, getreten und gedemütigt. Die erniedrigenden Szenen landeten als Handyvideo im Internet.
„Mein ganzer Körper hat mir wehgetan“, sagt die 13-jährige Lia (Name geändert) aus Hameln (Niedersachsen) im Gespräch mit BILD. Unter dem Gejohle der Jugendlichen war die zierliche Sechstklässlerin vom Gelände des Jugendtreffs gerannt. Zu Hause angekommen, brummte ihr Handy unaufhörlich – Freunde meldeten sich, das Video war bei Snapchat hochgeladen worden und machte die Runde.
Schlägerin prügelt und droht
Was passierte im Jugendzentrum „Regenbogen“? Lia: „Ich wurde plötzlich von einem größeren Jungen gepackt und aus dem Raum nach draußen getragen.“ Hinter dem Pavillon auf dem Gelände hatte sich eine Meute versammelt – Publikum für ein brutales Mobbing. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein älteres Mädchen (15) als Wortführerin auftritt. Lia habe ihre Mutter beleidigt, behauptet sie. Ob der Vorwurf überhaupt zutrifft, ist in dieser Situation gleichgültig.
Die eingeschüchterte 13-Jährige erhält einen Schlag gegen den Kopf, die 15-Jährige fordert sie auf, wie ein Hund „Wuff“ zu machen. Die Täterin droht: „Ein Wort zu deinem Vater, deiner Mutter oder zur Polizei, und du bist tot.“ Lia glaubt ihr. Später erhält das hockende Mädchen noch einen Kniestoß gegen den Kopf.
Betreuer bekamen Übergriff nicht mit
Nach dem demütigenden Erlebnis vertraute sie sich zögerlich ihrer Mutter (33) an. Die fuhr mit ihrer Tochter in die Klinik – glücklicherweise erlitt Lia nur leichte Blessuren. Die 33-Jährige ging zur Polizei, erstattete Anzeige. Sie kritisiert: „Warum reagierten die Betreuer nicht?“
Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt Hameln: „Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst. Unser Fachleiter für Kinder- und Jugendarbeit hat am Folgetag ein persönliches Gespräch mit der Mutter der Geschädigten führen können. Nach Beurteilung der Sachlage hat er der Täterin bzw. deren Familie umgehend schriftlich ein unbefristetes Hausverbot erteilt.“
Wahmes zufolge spielten sich die Übergriffe hinter einem Pavillon im Garten des Treffs ab: „Dieser Bereich war für das Betreuer-Team nicht einsehbar.“ Aus diesem Grund hätten die Mitarbeiter von der Auseinandersetzung zunächst nichts mitbekommen. Der Sprecher weiter: „Bislang sind uns körperliche Auseinandersetzungen im ‚Regenbogen‘ nicht bekannt geworden. Wir werden alles dafür tun, dass der ‚Regenbogen‘ auch künftig ein geschützter Raum für Jugendliche bleibt.“
Täterin ist polizeibekannt
Die Polizei ermittelt gegenwärtig wegen Körperverletzung und Bedrohung gegen die bereits aktenkundige 15-Jährige. Nach Lias Angaben sei sie mit der Teenagerin mal befreundet gewesen. Seit eineinhalb Jahren werde sie jedoch von ihr drangsaliert. Mobbingexperte Carsten Stahl zu BILD: „Leider sind diese Gewaltszenen auch unter Mädchen mittlerweile trauriger Alltag in Deutschland. Deshalb sind Prävention und Aufklärung extrem wichtig.“