Bochum/Berlin – Der Wirtschaftsweise Martin Werding (62) fordert einen radikalen Umbau der Rente. Sein Vorschlag: die Witwenrente abschaffen. „Die Witwenrente ist nicht mehr zeitgemäß, heute können Frauen selbst vorsorgen“, sagt das Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft. Und Werding legt mit einer gewaltigen Zahl nach: „Die Witwenrente kostet die deutsche Rentenkasse fast 50 Milliarden Euro im Jahr, ein Achtel der Gesamtausgaben.“
Seine Alternative: ein sogenanntes Rentensplitting. Dabei teilen Ehepartner alle Rentenansprüche, die sie während der Ehe erworben haben. „Danach teilen sich die Partner alle in der gemeinsamen Zeit erworbenen Rentenpunkte auf“, sagt Werding der „Rheinischen Post“.
Doch damit nicht genug. Werding fordert auch, die sogenannte Mütterrente III zurückzunehmen. Das würde den Bundeshaushalt um fünf Milliarden Euro entlasten. Außerdem müssten die Abschläge bei einer Frührente steigen.
Auch bei Beamten sieht der Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen der Ruhr-Universität Bochum Reformbedarf. Der Staat solle weniger Menschen verbeamten. Zudem müssten „Reformen der gesetzlichen Rente wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen“ werden.
Angriff auf die Rente mit 63
Besonders deutlich wird Werding bei der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren. Die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung verteidigt er ausdrücklich. Die Rente mit 63 komme „nicht etwa Menschen mit gesundheitlichen Problemen zugute, sondern Menschen, die überdurchschnittlich gesund sind und überdurchschnittlich hohe Renten haben“. Auch ein Argument aus Ostdeutschland weist Werding zurück: Die Behauptung, die Menschen dort seien stärker auf die gesetzliche Rente angewiesen, sei falsch.
Seine Rechnung: „Paare im Osten haben im Schnitt monatlich 3174 Euro als Alterseinkommen, im Westen 3795 Euro.“ Allerdings schränkte er ein: „Die Differenz verringert sich aber, wenn man Kaufkraftunterschiede berücksichtigt.“
Kaum Unterschiede zwischen Ost und West
Auch bei der zusätzlichen Altersvorsorge sieht Werding keinen dramatischen Unterschied. Im Osten hätten 21 Prozent der Beschäftigten keine weitere Absicherung neben der Rente. Im Westen seien es mit 18 Prozent fast genauso viele. Ostdeutsche Regierungschefs hatten zuvor gefordert, die Rente mit 63 nicht abzuschaffen. Sie verwiesen dabei auf die besonderen Berufsbiografien vieler Menschen in Ostdeutschland.