Berlin – Der Abstand wird immer größer: Die AfD setzt sich in der neuesten Sonntagsfrage von YouGov weiter von der Union ab und erhöht damit vor allem den Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) sowie CSU-Chef Markus Söder (59).
Die Rechtspopulisten kommen auf 29 Prozent und gewinnen einen Punkt gegenüber der letzten Umfrage vom 12. Mai. Für die Union, Merz und Söder geht es dagegen deutlich nach unten. CDU und CSU verlieren zwei Punkte und fallen auf 20 Prozent. Damit liegt die AfD von Parteichefs Alice Weidel (47) und Tino Chrupalla (51) inzwischen neun Prozentpunkte vor der Union. Es ist der bisher größte Abstand zwischen beiden Parteien über nahezu alle Umfrageinstitute hinweg. Zum Vergleich: In der letzten YouGov-Umfrage vor fünf Wochen betrug der Abstand noch sechs Punkte. Gleichzeitig sind auch die 20 Prozent für die Union ein neuer Negativrekord.
Folge: Müssten die Parteien mit diesen Zahlen eine Bundesregierung mit einer Mehrheit im Parlament ohne die AfD schmieden, käme nur ein fragiles Bündnis aus CDU, SPD und Grünen infrage, das gerade so die dafür nötigen 46 Prozent erreicht. Die Alternative einer Minderheitsregierung dürfte mit Blick auf die neueste Umfrage künftig immer wahrscheinlicher werden.
SPD verliert, Grüne legen zu
Auch die Grünen können zulegen. Sie gewinnen einen Punkt, erreichen 14 Prozent und bleiben damit drittstärkste Kraft in der Umfrage. Die SPD verliert dagegen einen Punkt und kommt nur noch auf 12 Prozent. Für Vizekanzler Lars Klingbeil (48) und die SPD sind die Zahlen ebenfalls ein herber Dämpfer. Denn: Die Sozialdemokraten liegen damit nur noch gleichauf mit der Linkspartei, die sich um einen Punkt verbessert und ebenfalls 12 Prozent erreicht.
Die FDP um den neuen Parteichef Wolfgang Kubicki (74) gewinnt einen Punkt hinzu, kommt auf fünf Prozent und würde damit den Wiedereinzug ins Parlament schaffen. Die Partei von BSW-Ikone Sahra Wagenknecht (56) hingegen bleibt unverändert bei vier Prozent und würde damit unter der Fünf-Prozent-Hürde bleiben. Die sonstigen Parteien erreichen zusammen 5 Prozent. Die Online-Umfrage basiert auf den Antworten von 2154 Befragten zwischen dem 12. und 15. Juni.