Sewastopol – Der Landkorridor zwischen Russland und der annektierten Krim gleicht einem Lkw-Friedhof, und das wird für Moskau zum wachsenden Problem. Denn: Der Halbinsel droht eine dramatische Versorgungskrise! Schon seit Wochen ist der Treibstoff knapp. Und ukrainische Drohnen nehmen systematisch alle Lastwagen ins Visier, die Öl und Sprit auf die Krim bringen sollen. Die Folge: Entlang der Strecke türmen sich zerstörte Lastwagen, ausgebrannte Panzerfahrzeuge und beschädigte Militärtechnik.
Am Samstag hatte die ukrainische Armee mitgeteilt, man habe die Lufthoheit entlang der Strecke Melitopol–Tschonhar im besetzten Süden des Landes übernommen – und werde nun gezielt russische Ausrüstung und Logistik angreifen. „Das ist nur der Anfang“, erklärte das Militär und publizierte ein Video, das die Drohnenangriffe zeigen soll. Damit wird es für Russland sehr schwer, Technik, Munition und Treibstoff über den zentralen Landweg auf die Krim zu bringen.
Die Auswirkungen sind schon jetzt spürbar. Benzin und Diesel wurden rationiert, weshalb die Bewohner der Halbinsel inzwischen sogar Alternativen im Supermarktregal suchen – zum Beispiel Waschbenzin. Auch Güter des täglichen Lebens werden knapp. Berichte kursieren, wonach Grundnahrungsmittel wie Zucker, Buchweizen oder Pasta rationiert werden. In den sozialen Medien ist von Hamsterkäufen die Rede. Überprüfbar ist das nicht.
Ukraine greift zusätzlich Öllager an
Zusätzlich verschärft wird die Lage durch neue Angriffe auf Öldepots der Krim. Nach Angaben des Untergrundnetzwerks Atesh gab es Explosionen nahe dem Treibstofflager in Feodosia, aber auch aus Sewastopol, Dschankoi und Simferopol wurden Detonationen gemeldet. Bereits Mitte der Woche hatten ukrainische Drohnen ein Patrouillenschiff der Swetljak-Klasse getroffen. Es gehört zu Putins Schwarzmeerflotte. Russland behauptete, man habe die Drohnen abgewehrt.
Brisant: Zwar könnten die Bewohner der Krim-Halbinsel auch über die Brücke von Kertsch versorgt werden. Doch seit einem Angriff im Oktober 2022, bei dem ein Lkw auf der Brücke explodierte, ist zumindest Tank- und Öllastern die Überfahrt verboten – für manchen ein Treppenwitz der Geschichte, dass Wladimir Putin (73) die prestigeträchtige und für viele Milliarden Rubel errichtete Brücke einst selbst am Steuer eines Lastwagens einweihte.
Putin hat ein doppeltes Problem
Für den Kremlchef ist die Situation ohnehin doppelt ärgerlich: Nicht nur steht die Versorgung der wichtigen Schwarzmeerflotte auf der Kippe – auch für die vielen Russen, die jedes Jahr auf der Krim Urlaub machen, wird der Krieg einmal mehr zum Bumerang. Sie sitzen fest. In den sozialen Medien häufen sich die Beschwerden, dass Urlauber wegen des Spritmangels nicht abreisen können. „Es ist ein Albtraum“, klagt eine Russin auf Telegram.
Aus Sicht der Militärblogger des bekannten Telegram-Kanals Zapiski Veterana gibt es nur eine Lösung: Der Landkorridor müsse „jetzt sofort“ auf den gesamten 700 Kilometern mit „Schutznetzen oder anderen ähnlichen technischen Lösungen“ ausgestattet werden.