Die Krise in der Industrie trifft den nächsten Traditionsbetrieb mit voller Wucht. Die Eurotech Guss Schwäbisch Gmünd GmbH hat erneut Insolvenz angemeldet. Für die Gießerei ist es bereits die zweite schwere Existenzkrise innerhalb von nur fünf Jahren. Das Amtsgericht Aalen ordnete am 8. Juli 2026 die vorläufige Eigenverwaltung.
Die Gießerei entwickelt und fertigt u. a. Aluminiumgussteile und Baugruppen für Auto-Hersteller. Nach Firmenangaben beliefert sie Kunden aus verschiedenen Industriezweigen. Die Wurzeln des Traditionsbetriebs in Baden-Württemberg reichen bis ins Jahr 1913 zurück.
Zweite Insolvenz in fünf Jahren
Schon im Oktober 2021 musste die Eurotech Guss Schwäbisch Gmünd GmbH Insolvenz anmelden und anschließend saniert werden. Nach dem Verkauf an den Münchner Investor Callista Private Equity Anfang 2023 übernahm Unternehmer Ralf Brinschwitz die Aluminiumgießerei wenige Monate später als Familienunternehmen. Doch die Neuaufstellung reichte offenbar nicht aus. Für die rund 80 Mitarbeiter geht der Betrieb zunächst weiter. Ihre Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.
Wie es zur Pleite kam
Die Gründe für die neuerliche Krise sind vielfältig. Wichtige Kunden – vor allem aus der Autoindustrie – investieren kaum noch. Gleichzeitig steigen die Kosten. Hinzu kommt die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Daher sinkt die Auslastung der Fabrik immer weiter.
So geht es für das Unternehmen weiter
Mit dem Sanierungsverfahren will sich das Unternehmen neu aufstellen. Die Geschäftsführung darf weiter selbst entscheiden und handeln. Zum vorläufigen Sachwalter, der die Sanierung überwacht, bestellte das Gericht Florian Zistler von der Pluta Rechtsanwalts GmbH. „Die Gesellschaft verfügt über hohe Fertigungskompetenz“, so der Insolvenzexperte zu BILD. Geschäftsführer Ralf Brinschwitz erklärt gegenüber BILD: „Im Rahmen der Eigenverwaltung wird das Unternehmen einen Investorenprozess durchführen.“
Autozulieferer in der Krise
Zuletzt meldeten zahlreiche Zulieferer massive Probleme beim Auftragseingang. Magna International zieht beim Werk in Dorfprozelten (Bayern) den Stecker. Mitte 2027 ist dort Schluss, 216 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Auch der Traditionsbetrieb Steinkamp aus Espelkamp (NRW), bekannt für Werkzeug- und Maschinenbau, hat Insolvenz angemeldet.