Washington/Moskau/Kiew – Kommt nun doch wieder Bewegung in die festgefahrenen Friedensbemühungen für die Ukraine? Inmitten des neuen Zoffs zwischen Washington und Kiew hat sich Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) ungewöhnlich deutlich auf einen möglichen Weg zu einem Waffenstillstand festgelegt: Die Kämpfe mit Russland könnten zunächst an der heutigen Frontlinie eingefroren werden.
Im Interview mit Fox News wurde Selenskyj ganz konkret gefragt, ob er einem Friedensdeal zustimmen würde, der den Krieg dort einfriert, wo die Front heute verläuft, und bei dem die Ukraine damit zunächst 75 Prozent oder mehr ihres Staatsgebiets kontrolliert. Seine klare Antwort: „Ja, im Moment müssen wir einfrieren.“ Und weiter: „Ich glaube, das ist ein realistischer Weg, diesen Krieg zu beenden.“
Selenskyj will die von Russland besetzten Gebiete nicht endgültig abtreten. Zunächst sollen die Kämpfe enden, danach will Kiew verhandeln. „Einfrieren und stoppen“, sagte er beim US-Sender „Fox News“. Das sei das Mindeste, was die Ukraine derzeit von Russland brauche. Danach wolle Kiew von den USA und den Europäern Sicherheitsgarantien verlangen.
Fehde mit Trump war zuletzt eskaliert
In den vergangenen Tagen hatte vor allem die erbitterte Fehde mit Donald Trump (80) für Schlagzeilen gesorgt. Selenskyj beklagte, dass die USA das für die Verteidigung essenzielle Satellitennetzwerk Starshield drosseln ließen, keine Geheimdienstinformationen mehr lieferten und den Transfer von Patriot-Abfangraketen blockierten. Trump wiederum tadelte den Ukrainer, er wolle gar keinen Frieden und sei ein größeres Hindernis auf dem Weg dorthin als selbst Kreml-Despot Wladimir Putin (74). Der US-Präsident deutete sogar an, die Ukraine brauche einen neuen Präsidenten – oder zumindest einen anderen Verhandler.
Putin stimmt neuen Verhandlungen zu
US-Sondergesandter Steve Witkoff (69) traf Putin persönlich in St. Petersburg. Der zweite US-Unterhändler, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (45), war per Video zugeschaltet – angeblich wegen einer Grippeerkrankung. Putin kam Washington zunächst mit der Freilassung des vier Jahre lang inhaftierten Amerikaners Stephen Hubbard (74) entgegen. Zudem erklärte er sich grundsätzlich bereit, die Friedensgespräche auf Unterhändlerebene mit der Ukraine und den USA nach dem 10. November wieder aufzunehmen. Die Verhandlungen könnten in Abu Dhabi (Arabische Emirate) stattfinden.
Doch beim wichtigsten ersten Schritt, einem Waffenstillstand, gibt es weiterhin kaum Bewegung. Russlands Außenminister Sergej Lawrow (76) bekräftigte erneut, Moskau werde keiner Waffenruhe zustimmen, die der Ukraine eine Wiederbewaffnung ermöglichen könnte. Selenskyj sprach im Interview über das Leid seiner Landsleute: „Wir verlieren zwar nicht den Krieg, aber wir verlieren Menschen“, sagte er.