Galati (Rumänien) – Es war eine Nacht voller Angst in der rumänischen Grenzstadt Galati. Eine russische Drohne schlug dort in ein zehnstöckiges Wohnhaus ein – zwei Menschen wurden verletzt, viele gerieten in Panik. Rund 70 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden. Die rumänische Luftwaffe ließ Kampfflugzeuge aufsteigen, die Regierung spricht von einer „schweren Eskalation“ durch Russland.
Die ganze Nacht waren Feuerwehr und Rettungsteams in der Großstadt (rund 220.000 Einwohner) nahe der ukrainischen Grenze im Einsatz. Nach Behördenangaben sei die gesamte Sprengladung der Drohne explodiert. Eine Frau und ihr Kind kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus, zwei weitere Personen wurden vor Ort wegen Panikattacken behandelt. Die Drohne war auf dem Dach des Hochhauses detoniert, der Brand ist inzwischen gelöscht.
Rumänien lässt F-16 aufsteigen
Die Explosion beschädigte zwei Treppenhäuser und fünf Autos, sagte Vize-Innenminister Raed Arafat (62) dem Sender Digi24. Es sei das erste Mal, dass eine Drohne ein dicht besiedeltes Gebiet in Rumänien getroffen habe. Zwei F-16-Kampfflugzeuge und ein Militärhubschrauber stiegen auf, um mögliche weitere Drohnen abschießen zu können. Die Bewohner der Grenzregionen Braila, Galati und Tulcea wurden aufgerufen, Schutz zu suchen.
Als erste Reaktion nach dem Einschlag warf das rumänische Außenministerium Russland eine „schwere und unverantwortliche Eskalation“ vor. Man werde die notwendigen diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um auf die Verletzung seines Luftraumes zu reagieren. Wörtlich hieß es aus dem Außenministerium: „Die Russische Föderation trägt die direkte Verantwortung für diese schlimme und verantwortungslose Aktion. Rumänien wird mit maximaler Entschlossenheit dafür eintreten, dass der internationale Druck auf die Russische Föderation zum sofortigen und umfassenden Ende des Beschusses verstärkt wird.“
Russischer Botschafter einbestellt
Noch am Morgen wurde Russlands Botschafter in Bukarest einbestellt: „Wir werden offiziell mitteilen, welche Folgen diese Verantwortungslosigkeit seitens der Russischen Föderation für die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern haben wird“, erklärte Rumäniens Außenministerin Oana Toiu (40) auf X.
Rumänien ist Mitglied der Nato und der EU. Nato-Generalsekretär Mark Rutte (59) sei über die Vorfälle informiert worden. Rumänien forderte seine Verbündeten auf, schnell zusätzliche Drohnen-Abwehrsysteme zu verlegen. Auch die Nato gab Moskau die Schuld an dem Drohneneinschlag, und sprach von „Rücksichtslosigkeit“. Das Militärbündnis werde seine Verteidigung „gegen alle Bedrohungen weiter verstärken, einschließlich Drohnen“, so eine Sprecherin.
Angriff auf ukrainischen Hafen
Der Vorfall ereignete sich während eines russischen Drohnenangriffs auf den ukrainischen Hafen Ismajil in der südlichen Oblast Odessa in den frühen Morgenstunden. Ismajil liegt nur etwa 90 Kilometer von Galati entfernt und ist als größter ukrainischer Hafen an der Donau ein strategisch wichtiges Ziel. Eine weitere Drohne ohne Sprengladung mit einer Spannweite von etwa drei Metern wurde im Nordwesten Rumäniens gefunden.
Seit Beginn der russischen Angriffe auf die ukrainischen Donau-Häfen haben russische Drohnen nach Angaben des Verteidigungsministeriums 28 Mal den rumänischen Luftraum verletzt. Bereits im April war Galati getroffen worden, als eine Drohne einen Strommast beschädigte. Damals gab es jedoch keine Verletzten.