Berlin – Immer weniger Junge müssen immer mehr Ruheständler finanzieren. Die Beiträge drohen zu explodieren. Der Freiburger Renten-Experte Professor Bernd Raffelhüschen forderte deshalb schnelle und radikale Maßnahmen, um die Rente noch zu retten.
In BILD rechnet der Finanzexperte mit der bisherigen Rentenpolitik ab: „Wir haben es seit den 90er-Jahren versäumt, das gesetzliche Rentenalter konsequent an die steigende Lebenserwartung anzupassen.“ Heißt übersetzt: Deutschland hängt mit den Reformen 30 Jahre zurück. Raffelhüschen ist deshalb für einen Drei-Punkte-Sofortplan.
• Erstens: „Bis 2030 brauchen wir die Rente mit 70“, so Raffelhüschen. Seine Begründung: Sonst erwische man die Babyboomer nicht mehr.
• Zweitens: „Wir müssen das Rentenniveau von aktuell 48 Prozent auf 42 Prozent senken. Das bekämen wir nachhaltig finanziert.“ Das Rentenniveau ist das Verhältnis der Standardrente (nach 45 Beitragsjahren) zum Durchschnittslohn. So will Raffelhüschen die Beiträge für die Zahler stabil bei 18 bis 19 Prozent halten.
• Drittens: „Wir müssen jede Form von Bezuschussung des vorgezogenen Ruhestands stoppen.“ Der Staat gebe hierfür Milliarden aus.
Raffelhüschens Kernbotschaft ist klar: „Wer länger lebt, muss länger arbeiten.“ Und wer die Jungen nicht überfordern wolle, dürfe die Rentenkasse nicht immer weiter über Beiträge und Steuern stabilisieren. Raffelhüschen nennt das „verursachergerecht“: Die baldigen Rentner gehörten zu den Jahrgängen, die selbst zu wenige Kinder bekommen hätten. Die Kinder von morgen könnten nichts dafür, dass sie so wenige seien – müssten aber die Lasten tragen.
Brisant: Ein heutiger Rentner bezieht laut Raffelhüschen über 20 Jahre die Rente und zahlt dafür gerade noch gut 40 Jahre ein. Früher haben Ruheständler die Rente 10 Jahre bezogen und dafür 45 Jahre bezahlt.