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Putins Nachbarn rüsten Zivilisten mit Schießtraining für den Ernstfall

Putins Nachbarn rüsten Zivilisten mit Schießtraining für den Ernstfall
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Oslo/Warschau/Helsinki – Während Deutschland über die Wehrpflicht streitet, bereiten Russland Nachbarländer ihre Bevölkerung längst auf Krieg und Krise vor. Norwegen hat 2026 zum Jahr der „Totalen Verteidigung“ erklärt und erlebt einen Ansturm auf die Reservisten-Armee. Auch Finnland und Polen bauen ihre Streitkräfte aus, zeigen Zivilisten und sogar Schülern immer konsequenter, worauf es im Ernstfall ankommt.

In Deutschland pendelt die Zustimmung zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht laut Umfragen zwischen 54 und 62 Prozent. In Norwegen wollen 85 Prozent der Bevölkerung die Wehrpflicht behalten. Denn: Das Land teilt eine 198 Kilometer lange Grenze mit Russland. Eine zentrale Rolle spielt deshalb die Heimwehr mit mehr als 40 000 Reservisten – fast doppelt so viele Menschen wie in den regulären norwegischen Streitkräften (23 000 Soldaten). Die Reservisten sind ein Querschnitt der Gesellschaft: Anwälte, Elektriker, Banker, Versicherungsvertreter oder Landwirte. Einmal im Jahr tauschen viele von ihnen ihren Arbeitsplatz gegen Tarnuniform und Sturmgewehr.

Norwegen ist Europas wichtigster Gaslieferant und spielt in der Arktis eine zentrale Rolle. Die frühere norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg (65) bringt die Lage ihres Landes drastisch auf den Punkt: „Wir sind den Russen im Weg“, sagt sie der „Süddeutschen Zeitung“. In Norwegen gibt es 19 000 Schutzräume mit Platz für mehr als die Hälfte der rund 5,5 Millionen Einwohner. Die Menschen sollen zu Hause Vorräte lagern und wissen, wo sich der nächste Bunker befindet.

Finnen trainieren Häuser- und Drohnenkampf

Auch Finnland setzt auf eine wehrhafte Gesellschaft. Bei freiwilligen Verteidigungskursen lernen Zivilisten den Umgang mit Waffen und die Versorgung Verwundeter. Jährlich trainieren etwa 45.000 Reservisten Häuserkampf, Drohneneinsatz und Gefechtsmedizin. Zuletzt probten mehr als 2000 Menschen bei einer Zivilschutzübung Cyberangriffe, Stromausfälle und die Gefahr von Raketenangriffen. Finnland verfügt über rund 50 500 Schutzräume für etwa 4,8 Millionen Menschen. Viele davon werden im Alltag als Sporthallen, Parkhäuser oder andere Räume genutzt, die im Ernstfall binnen 72 Stunden einsatzbereit sein müssen.

Schießübungen für polnische Schüler

Polen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Die Angst vor einem Übergreifen des Ukraine-Krieges ist groß. Beim Programm „wGotowości“ („in Bereitschaft“) gibt es organisierte Wochenendkurse. Geübt werden u.a. Evakuierung und grundlegende Fähigkeiten fürs Militär. Allein in den ersten Wochen registrierten sich 18 000 Menschen.

Beim Programm „Trenuj z wojskiem“ („Trainiere mit der Armee“) lernen Zivilisten u.a. den Umgang mit Handgranaten. In einigen Städten war der Andrang so groß, dass Wartelisten eingerichtet wurden. Die Vorbereitung beginnt teilweise sogar bereits in der Schule: Jugendliche lernen Erste Hilfe und Überlebenstechniken. Ab 14 Jahren gehören auch Schießübungen dazu.

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