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Nachts geistert er umher: Schlossgespenst terrorisiert Nachbarin

Nachts geistert er umher: Schlossgespenst terrorisiert Nachbarin
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Plauen – Er hat es mit Hitler und mit Schlössern – kleinen und großen: Wenn Klaus Helmut R. (71) durch die Hausflure geistert, wird es klebrig und kriminell. Der Rentner aus dem vogtländischen Oelsnitz hat gegen unliebsame Nachbarn ein besonders heimtückisches Mittel: eine Tube Leim. Und mit der kleistert der Mann, der im Ort bereits das „Schlossgespenst“ genannt wird, gern die Schlüssellöcher zu!

Die heimtückische Klebe-Masche brachte den Rentner nun sogar vor das Amtsgericht in Plauen. Der Prozess gegen das Schlossgespenst wird unter dem Aktenzeichen 510 JS 21321/25 geführt.

Angeklagter räumt Tatvorwurf ein

Der Tatvorwurf, angeklagt als Sachbeschädigung und Nötigung: Siebenmal soll Klaus Helmut R. im November und Dezember 2024 die Schlösser seiner Nachbarin Erna Monika J. (85) mit Sekundenkleber zugeleimt haben. „Jedes Mal war ein Austausch der Schließzylinder nötig, 350 Euro betrug der Sachschaden“, fasst die Staatsanwältin die Kernpunkte zusammen.

Der Leim-Lümmel aus dem ersten Stock sitzt derweil wie festgeklebt auf der Anklagebank und guckt bedröppelt. „Ich räume die Vorwürfe alle ein. Ich habe Frau J. schon den Schaden bezahlt“, gesteht er. Videoaufnahmen, die die Polizei durch den Türspion vom Treppenhaus machte, machten ein Leugnen auch zwecklos.

Richter Christian Linhardt spürt dem bösen Geist dennoch nach wie ein besonders hartnäckiger Exorzist: „Warum haben Sie das getan?“, fragt der Jurist immer wieder. R. möchte nicht mit der Sprache herausrücken. Er stammelt dann etwas von „allgemeinen Diskrepanzen“ und den beiden Katzen der Nachbarin, die ihn im Hausflur stören würden.

Erna Monika J., die am 30. Juli aussagen soll, kann das nicht verstehen. „Mein Peterle und die Micki sind so liebe Tiere. Außerdem sind sie fast nie im Hausflur. Das ist gemein“, sagt sie zu BILD. Bis heute hat sie dem Nachbarn nicht verziehen, dass er ihr sogar Heiligabend und Silvester verkleisterte.

Hitler-Quartett im Schloss geklaut

Richter Linhardt piesackt den Angeklagten unterdessen im Amtsgericht weiter: Jetzt verliest er ein Urteil, das nur wenige Wochen vor den Schlüsselloch-Attacken gegen Klaus Helmut R. gesprochen worden war. Verknackt wurde der ehemalige Baumarkt-Verkäufer da wegen Diebstahls zu 95 Tagessätzen à 35 Euro.

Tatort damals: natürlich wieder ein Schloss – dieses Mal aber ein richtiges. R. hatte bei der Spielkarten-Ausstellung „Quartett – vier Karten für ein Halleluja“ auf Schloss Voigtsberg geklaut. Für das unter anderem verschwundene historische „Führer-Quartett-Spiel“ mit Hitler-Motiven hatte die Oelsnitzer Kultur GmbH damals 1000 Euro Belohnung ausgelobt. Dem Schlossgespenst war dieser Fahndungsdruck damals nicht geheuer. Es gab die Karten später aus Angst selbst zurück.

Der Prozess wird fortgesetzt. Nur für Erna Monika J. ist der Spuk garantiert vorbei. Sie zieht ins betreute Wohnen.

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