Schwerin – Der tote Buckelwal „Timmy“ sorgt auch nach seinem Tod für mächtig Wirbel. Während der Kadaver auf der dänischen Insel Anholt weiter verwest und für die geplante Obduktion vorbereitet wird, kämpft die Staatsanwaltschaft Schwerin mit einer wahren Anzeigen-Flut!
Aus dem gesamten Bundesgebiet seien Hunderte Hinweise, Beschwerden, Anzeigen und Mitteilungen zum Wal-Fall eingegangen. Aus dem Drama um den Buckelwal wird jetzt ein Behörden-Marathon.
Dreistellige Zahl an Vorgängen
Staatsanwaltschafts-Sprecher Jonas Krüger sagt zu BILD: „Wir sind noch mit der Sichtung der Eingänge beschäftigt.“ Der Staatsanwalt spricht von einem Phänomen, das die Mitarbeiter überrascht hat. Teilweise schrieben Menschen Hinweise oder boten ihre Hilfe für den Wal an. Manche Schreiben sorgen bei den Ermittlern auch für Verwunderung. In einem Brief behauptet ein Mann, er könne mit Walen sprechen. Krüger sagt: „Es gibt aberwitzige Sachen, aber auch Anzeigen, in denen sichtbar wird, dass sich der Verfasser zuvor informiert hat.“
Staatsanwalt: Praktisch alle Retter angezeigt
Die Schreiben kommen nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus ganz Deutschland und zielen auf alle Beteiligten der verschiedenen Rettungsaktionen ab. „Es kriegt jeder was ab. Die Anzeigen richten sich sowohl gegen Politiker, Wissenschaftler als auch gegen Mitglieder der Privatinitiative“, sagt Krüger zu BILD. Teilweise wurde mehrfach Anzeige erstattet. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, 67) sei wegen allem Möglichen angezeigt worden – weil er nichts gemacht habe, weil er etwas unternommen habe.
Wie sehr die Anzeigen-Welle die Behörde belastet, ist bisher nicht absehbar. „Es wird jetzt geprüft, ob es Anhaltspunkte für Straftatbestände gibt“, erklärt Jonas Krüger. Ob daraus tatsächlich Ermittlungen entstehen, ist derzeit völlig offen. Auch wie lange die Aufarbeitung dauern wird, kann die Behörde auch noch nicht abschätzen.