Palma – Es ist einer der schönsten Strände auf der gerade bei Deutschen sehr beliebten Mittelmeerinsel Mallorca. Doch die Badefreuden werden den Besuchern hier gerade etwas vermiest. Die Rede ist vom Strand Es Comú, einem Teilabschnitt der Playa de Muro auf Mallorca. Übler Verwesungsgeruch soll in der Luft liegen, meldeten Badegäste vor ein paar Tagen. Das berichtet die spanische Zeitung „Ultima Hora“.
Ursache des üblen Geruchs
Der Grund: Kilometerweit liegt angeschwemmtes Seegras am Strand, verrottet und stinkt dort. Der Zugang zum Wasser werde dadurch erschwert, heißt es. Besucher machten Fotos von den unansehnlichen Hinterlassenschaften, die die Zeitung veröffentlichte.
Es handelt sich um das sogenannte Neptungras. Das Problem: Die verfaulenden Pflanzen dürfen nicht so ohne weiteres entfernt werden, denn der Strand liegt im Naturpark Albufera, in dem bestimmte Schutzvorschriften gelten. Der Grund: Das Seegras bewahrt die Küste vor Erosion.
Das sagen Badegäste zu den Seegras-Überresten
BILD-Reporterin Aresou Leisdorff machte sich am Sonntagnachmittag selbst ein Bild vor Ort. Immer noch lagen vertrocknende Seegras-Pflanzen am Strand. Ein strenger Geruch war allerdings nicht mehr festzustellen. Vereinzelt waren auch Badegäste im Wasser. Die Pflanzen störten sie nicht, sagten sie. „Es stinkt nicht, das ist überhaupt kein Problem“, sagt Rettungsschwimmerin Soledad Hernandez (31). „Beim Baden bleiben zwar ein paar Algen am Körper kleben. Aber es gibt ja Duschen hier.“
Laut Vorschriften dürfe die Gemeinde die Seegras-Überreste nur bei Gesundheits- und Sicherheitsrisiken beseitigen und das auch nur nach vorheriger Genehmigung des zuständigen Landwirtschaftsministeriums. In Es Comú ist die Beseitigung in dem unberührten, von Dünen gesäumten Strand aus ästhetischen oder touristischen Gründen nicht erlaubt, heißt es. Genau dort aber spült die Brandung oft große Mengen von Seegras an, so wie es jetzt gerade passiert. So werden die Urlauber noch eine Zeit lang mit dem Seegras leben müssen. So lange, bis sich die Überreste zersetzt haben und der Strand wieder frei ist.
Seegras in vielen Buchten geschützt
Neptungras (lat. Posidonia oceanica) ist eine Meerespflanze, die hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommt, z.B. in Frankreich, Italien, Kroatien, Griechenland, Spanien, der Türkei und Tunesien. Gerade auf den Balearen gibt es mehrere Zonen, in denen das Seegras geschützt ist. Segler und Wassersportler werden aufgefordert, dort besonders Rücksicht zu nehmen. Das Gras wächst oft in hellen, geschützten Buchten in 1 bis 40 Metern Tiefe und bietet Lebensraum und Nahrungsquelle für Fische, Krebse und andere Tiere. Die Pflanze produziert Sauerstoff und filtert das Wasser.