Berlin – Die Expertenkommission der Bundesregierung empfiehlt strengere Regeln für soziale Medien, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen, bleibt aber deutlich hinter politischen Forderungen aus CDU und SPD nach einer Altersgrenze von 14 oder gar 16 Jahren für Kinder und Jugendliche für TikTok, Instagram oder Facebook zurück. Konkret sollen Plattformen verpflichtet werden, ihre Angebote altersgerecht zu gestalten und Risiken für Minderjährige durch Altersüberprüfungen zu begrenzen. Dafür schlägt die Kommission zwei Modelle vor: ein Mindestalter von 13 Jahren für eigene Social-Media-Accounts ODER altersabhängige Beschränkungen einzelner Funktionen je nach Risiko. Bundesbildungsministerin Karin Prien (60, CDU) ist für die klare Grenze bis 13 Jahre.
Die Einhaltung der Vorgaben sollen die Europäische Kommission, die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz sowie die Landesmedienanstalten überwachen. Sanktionen würden sich gegen die Plattformanbieter richten, nicht gegen Eltern, Jugendliche oder gar Kinder.
Bisher ist eine Altersbeschränkung lediglich in den Nutzungsbedingungen der Anbieter verankert. Die wurde meist nur über die Eingabe eines Geburtsdatums kontrolliert und kaum wirksam überprüft. Deshalb konnten auch deutlich jüngere Kinder relativ leicht Accounts anlegen.
Prien unterstützt Kurs der Kommission
Prien unterstützt den Kurs der Kommission, nennt eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren „den richtigen Weg“. Und weiter: „Für Kinder jünger als 13 sollte ein gesetzlicher Erlaubnisvorbehalt gelten, der nur nachweislich kindgerechte und risikoarme Angebote zulässt.“ Heißt: Eltern können dann selbst bestimmen, ob ihre Kids auf bestimmte Online-Angebote (z.B. Lern-Plattformen) zurückgreifen.
Und der Co-Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr. Olaf Köller (62, Uni Kiel) begründet: „Nicht das Kind muss sich an die digitale Welt anpassen, sondern die digitale Welt an das Kind. Kinder und Jugendliche aus der digitalen Welt auszusperren, ist kein Schutz.“
CDU und SPD forderten härtere Gangart
Fakt ist jedoch: Die CDU beschloss auf ihrem Bundesparteitag 2026 ein Social-Media-Mindestalter von 14 Jahren, nachdem eine ursprünglich geforderte Grenze von 16 Jahren abgeschwächt worden war. Auch in der SPD gibt es Unterstützung für ein Mindestalter von 14 Jahren sowie strengere Alterskontrollen. International gilt Australien mit seinem Verbot sozialer Medien für Unter-16-Jährige als wichtiges Vorbild.
Regelungen sollen auf EU-Ebene kommen
Prien wirbt nun für eine gesetzliche Regelung auf EU-Ebene, fordert: „Safety by Design“ von Anbietern wie Meta. Soll heißen: keine süchtige machenden Algorithmen und sogenannte „Dark Patterns“ mehr für Kinder. Das sind digitale Tricks, die Nutzer zu bestimmten Verhaltensweisen lenken oder länger auf Plattformen halten sollen.
Insgesamt 56 Handlungsempfehlungen an Bund und Länder hat die im September 2025 von Prien eingesetzte Kommission ausgebrütet. Sie gehen viel weiter als ein blankes Social-Media-Verbot.
Handys raus aus Schulen bis Klasse 7
An Schulen bis einschließlich der siebten Jahrgangsstufe soll die private Nutzung im Unterricht, in außerunterrichtlichen Angeboten und in den Pausen bundesweit einheitlich untersagt und in den Schulgesetzen verankert werden. Ab der achten Jahrgangsstufe sollen Schulen verpflichtet werden, unter Beteiligung der Schüler verbindliche Nutzungskonzepte zu erarbeiten.
Online-Polizeiwache für Kinder
Zudem soll ein verpflichtendes „KI-Seepferdchen“ eingeführt werden, mit dem Kinder bereits im Grundschulalter grundlegende Kenntnisse über Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz erwerben. Um Kinder besser vor digitalen Gefahren zu schützen, schlägt die Kommission außerdem eine bundesweite Kinder-Onlinewache für die einfache Meldung von Straftaten sowie einen verstärkten Einsatz verdeckter Ermittler vor, die sich im Netz als Minderjährige ausgeben, um Cybergrooming und andere Sexualdelikte aufzudecken.