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Kaffeefahrten stoppen: Hermann Kipnowski jagt Abzocker und erhält Bundesverdienstkreuz

Kaffeefahrten stoppen: Hermann Kipnowski jagt Abzocker und erhält Bundesverdienstkreuz
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Aachen – Andere gehen in Rente. Hermann Kipnowski (heute 90) ging wieder auf Streife ...

Der frühere Kriminaloberkommissar aus Aachen hatte eigentlich genug Dienstjahre hinter sich. Tischler gelernt, Bundesgrenzschutz, dann Polizei, zuletzt Polizeipräsidium Köln. Doch nach einem eigenen Betrugserlebnis bei einer Kaffeefahrt machte Kipnowski seinen Ruhestand zur Mission. Sein Gegner: das dreckige Geschäft auf Kosten älterer Menschen. Jetzt wurde Deutschlands bekanntester Polizist im Ruhestand in seiner Heimatstadt Aachen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Aachens Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons nannte ihn beharrlich, unerschrocken und voller Energie. Kipnowski habe, so Ziemons in seiner Laudatio, wesentlich dazu beigetragen, dass die Zahl der Kaffeefahrten deutlich zurückgegangen sei. Kurz gesagt: Ein Rentner hat sich mit Abzockern angelegt – und fast einen ganzen Betrugs-Sumpf trockengelegt. Kipnowski zu BILD: „Die Ehrung war für mich eine Riesen-Überraschung. Sogar Vertreter von LKA und BKA waren da. Das macht mich sehr stolz.“

Lockangebote, Gratis-Ausflug, Gewinnversprechen, Kaffee und Kuchen – und am Ende sollen Senioren überteuerte oder wertlose Produkte kaufen. Kipnowski wurde zum Albtraum der Abzocker.

„Kommissar Kaffeefahrten“ recherchierte Treffpunkte, fuhr mit, sammelte Beweise, merkte sich Verkäufer, Busfahrer, Hintermänner. Laut Begründung kannte er irgendwann nahezu jeden in der Szene. Die Folge: Auch die Gegenseite kannte ihn. Kipnowski wurde erkannt, bekam Betretungsverbote, wurde bedroht, körperlich angegriffen, sogar mit dem Tod bedroht. Also änderte er seine Taktik: Er stieg nicht mehr ein, sondern verfolgte die Busse mit seinem privaten Pkw – teils bis ins benachbarte Ausland.

Nach solchen Tagen war für ihn nicht Feierabend. Dann saß der Pensionär am Computer und schrieb Strafanzeigen. Seine Erkenntnisse landeten bei Polizei, Staatsanwaltschaften, Ordnungsämtern und anderen Behörden. So half er, Strukturen, Methoden und Beteiligte offenzulegen. Dazu kam Prävention: Vorträge, Medienauftritte, Publikationen. Kipnowski jagte nicht nur Täter – er warnte auch ihre Opfer.

Der Staat hat die Masche inzwischen stärker eingedämmt. Seit dem 28. Mai 2022 sind auf Kaffeefahrten unter anderem der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, Medizinprodukten, Finanzanlagen, Darlehen und Versicherungen verboten; außerdem drohen Bußgelder bis 10.000 Euro. Verbraucherschützer und Behörden warnen aber weiterhin vor dem Geschäft mit Gewinnversprechen, Druck und angeblichen Schnäppchen.

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