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Jagd-Hype oder Lifestyle?: Kritik an den neuen Jägern wächst

Jagd-Hype oder Lifestyle?: Kritik an den neuen Jägern wächst
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Suhl – Das City-Hotel in Suhl sieht so gar nicht nach Jagd aus. 16 Stockwerke moderner Bau. Ein Messezentrum nebenan. Und doch: Rund 400 Jäger in kratzigen Loden-Jacken und viel Lodengrün diskutieren hier auf dem „Bundesjägertag“ über die Zukunft und das Image der Jagd: „Kompetenz im Revier – Ethik im Handeln“ ist ihr Thema.

Was abgehoben klingt, ist Alltag im Wald: Jagd ist Handwerk, verlangt Haltung, Können und Wissen. Trotzdem ebbt die Kritik nicht ab. Ein ARD-Bericht („Schießen, töten, posten – Wie gefährlich ist der neue Jagd-Hype?“) unterstellt: Wer Jagdschein macht, ist geil auf drei Dinge – das Töten von Tieren, Waffen und auf Social-Media-Posts zum „Lifestyle“ Jagd. Sonst nichts. Stimmt das wirklich? Der neue SWR-Bericht will die vermeintlichen „Schattenseiten des Hypes“ zeigen. BILD zeigt die Fakten zu Neu-Jägern, erklärt, wie Jäger ticken und was die Jagd kostet:

Zahl der Jäger und Jägerinnen steigt zuletzt stark an

In Deutschland gibt es 468.000 Jäger (2024/25). Rekord! Ein Anstieg um 77 Prozent in 40 Jahren (1984/85: 265.000). Laut Deutschem Jagdverband (DJV) sind 12 Prozent davon Frauen.

Tendenz steigend: Im Jahr 2025 machten so viele Deutsche ihre Jägerprüfung wie noch nie – 24.076 Männer und Frauen taten das. Das sind doppelt so viele wie 20 Jahre zuvor. Dabei steigt vor allem die Zahl der Frauen weiter an. Sie machen nun knapp ein Drittel (29 Prozent) aus.

Jagdstrecke: Und in 2025 erlegten Deutschlands Jäger vier Millionen Tiere, neun pro Jäger. Wie wichtig das ist, zeigen die Abschüsse von Nutrias (2024/25: 131.000 Tiere, 1600 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren). Die Biberratte untergräbt Deichanlagen, gefährdet den Hochwasserschutz.

Junge Jäger wollen Natur erleben, nicht Waffen horten

Jäger werden jünger und städtischer: DJV-Chef Helmut Dammann-Tamke (64) zu BILD: „Jagd ist weit mehr als Schießen und Töten. Wir sehen, dass sich deshalb auch immer mehr Menschen aus der Stadt für dieses Naturerlebnis begeistern, genau deswegen den Jagdschein machen.“

Ihre Beweggründe laut Umfrage: Sie suchen intensive Erlebnisse in der freien Natur (69 Prozent), wollen sich im Naturschutz engagieren (63 Prozent) und zudem Wild als gesundes Lebensmittel essen (46 Prozent). Um was es den vielen Jagdscheinschülern dabei nicht geht, ist der Zugang zu Waffen. Denn: Die neue DJV-Jungjägerbefragung zeigt, dass nur fünf Prozent der 3500 Befragten „ein besonderes Interesse“ an Waffen haben – das ist eine Minderheit.

„Wild & Hund“-Chefredakteur Heiko Hornung (58) weiß: „Jäger kommen aus der Mitte der Gesellschaft. Sie haben meist einen höheren Bildungsabschluss, sind wissensdurstig und wollen Wild nicht einfach nur schießen, sondern die Natur und ihre Zusammenhänge verstehen.“

Das zeigen auch die DJV-Zahlen: Fast zwei Drittel der Jäger (63 Prozent) sind „voll- oder teilzeit berufstätig“ (gut die Hälfte sind leitende Angestellte, Facharbeiter, Selbstständige). Ein Drittel (34 Prozent) ist „nicht (mehr) berufstätig“. Drei Prozent sind „Schüler, Studenten oder Azubis“.

Zahl der Waffen in Jägerhand in Deutschland steigt

Wahr ist: Wer jagen will, braucht Ausrüstung von A (Axt) bis Z (Zielfernrohr). Und auch ein Gewehr: Einstiegswaffen gibt es ab 750 Euro, Luxusmodelle kosten 200.000 Euro und mehr.

Wer als Anfänger nach seiner Jagdscheinprüfung (Kosten: ab 2800 Euro) Ausrüstung (u.a. Gewehr, Fernglas, etc.) kauft, gibt laut WuH-Chef Hornung im Schnitt 4500 bis 7500 Euro aus.

Mehr Jäger heißt auch mehr Waffen: Nach BILD-Informationen ist die Zahl der „Waffen und Waffenteile in Privatbesitz“, die im „Nationalen Waffenregister“ (NWR) heute erfasst sind, gestiegen – von 5.333.905 im Jahr 2015 auf 5.539.402 im April 2026. Ein Plus von 3,85 Prozent.

Die Gefahr, die von Waffen in Jägerhand ausgeht, ist gering. Das belegen beispielhaft die Zahlen aus NRW (18 Millionen Einwohner). Von 150.000 Legalwaffenbesitzern (Jäger, Sportschützen und Waffensammler) haben im Jahr 2024 lediglich 0,013 (!) Prozent Straftaten begangen.

Auch tödliche Jagdunfälle sind verhältnismäßig selten! Eine DJV-Auswertung von Daten der Jahre 2000 bis 2025 zeigt: Im Schnitt kommt es zu drei tödlichen Jagdunfällen pro Jahr.

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