Der Chef des in Deutschland umstrittenen Datenanalyse-Konzerns Palantir, Alex Karp, hat sich kritisch über den außenpolitischen Kurs der AfD geäußert. Obwohl er den Aufstieg der Rechtsaußen-Partei nachvollziehbar findet, verurteilt er ihre Positionen zu Russland und China.
Bei MD MEETS, dem Podcast von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, sagte Palantir-CEO Karp: „Mir ist vollkommen klar, warum sie erfolgreich sind. Ich würde die AfD allerdings nicht wählen, wenn ich in Deutschland wählen dürfte.“ Er habe „kein Interesse daran, eine Partei zu unterstützen, die Putin gegenüber große Sympathien hat“.
Palantir stellt unter anderem der Ukraine seine Produkte zur Verfügung, die diese im Verteidigungskrieg gegen Russland nutzt. Karp selbst besuchte in den vergangenen Monaten das kriegsgeplagte Land, traf Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Döpfner sagte im Gespräch, er halte die AfD „nicht für eine Alternative, weil sie in großen Teilen der Partei grundsätzlich russlandfreundlich und chinafreundlich“ sei und sogar Verständnis für autoritäre Kräfte im Nahen Osten habe. Seine Kritik, so Döpfner, richte sich natürlich nicht gegen Russen und Chinesen, sondern gegen deren autoritäre Regime. Die AfD sei „vor allem die Folge einer schwachen Führung in der Mitte des politischen Spektrums“, sagte Döpfner. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie „ein Konzept hat, das gut für Deutschland wäre“.
„Du bist bei den meisten Themen ziemlich links“
Auf die harte Kritik an der AfD reagierte Alex Karp, indem er zu Döpfner sagte: „Du bist bei den meisten Themen ehrlich gesagt ziemlich links.“ Karp nannte „den Aufstieg extremer Parteien absolut vorhersehbar“ und machte dafür vor allem die Migrationspolitik verantwortlich. Dabei kamen nicht nur zahlreiche Migranten „ohne die Zustimmung der deutschen Bevölkerung“ ins Land, sondern es habe auch keine „ehrliche Diskussion über die Folgen“ gegeben.
„Ich verstehe, warum das in Deutschland so schwer ist – das hat vollständig mit der Geschichte zu tun“, sagte Karp und bemängelte auch die Debattenkultur: „In Europa, aber besonders in Deutschland, gibt es eine unerträglich schwierige und schmerzhafte Unfähigkeit, über offensichtliche Tatsachen zu sprechen. Der durchschnittliche Mensch auf der Straße lebt jedoch mit diesen Tatsachen.“
Besorgt zeigte sich der US-Unternehmer, der in Deutschland studiert hat und fließend Deutsch spricht, über den Zustand der deutschen Wirtschaft. „Die deutsche Tech-Branche müsste nach jedem historischen Maßstab eigentlich die Nummer zwei der Welt sein“, so Karp. „Ehrlich gesagt war die deutsche Tech-Branche einmal die Nummer eins der Welt. Insofern sollte selbst Platz zwei vielleicht gar nicht das Ziel sein.“
Derzeit stünde die deutsche Tech-Branche jedoch nicht einmal auf der Bestenliste, so Karp. „Das größte deutsche Unternehmen nach Börsenwert ist, soweit ich weiß, Siemens – und Palantir ist deutlich mehr wert.“