Viele Jobs sind heute nicht mehr sicher. Außer beim Staat. Die junge Generation will deshalb lieber verbeamtet als Unternehmer werden. Doch wenn alle bequem auf Nummer sicher fahren: Wer sorgt dann noch für den Wohlstand, den der Staat so großzügig verteilt?
Nirgendwo purzeln die Jobs gerade so massiv wie in der Autoindustrie. „Die Lawine fängt erst an“, warnt Ferdinand Dudenhöffer, der die Branche seit Langem gut kennt. Die nächsten Jahre würden „bitter“. Was früher als bombensicherer Arbeitsplatz galt, steht heute auf wackeligen Beinen. Selbst wenn es gut laufe, werde die deutsche Autoindustrie bis 2030 auf nur noch rund 500.000 Beschäftigte schrumpfen, so Dudenhöffer. Und danach? Gehe es gnadenlos weiter bergab.
Berufliche Erfüllung beim Staat
Goldene Zeiten sehen anders aus. Was also tun, wenn man der kriselnden Wirtschaft nicht mehr über den Weg traut? Die junge Generation hat die rettende Antwort gefunden: Sie flieht zum Staat. Im „Tagesspiegel“ schwärmt eine 24-Jährige von ihrem beruflichen Glück: Verbeamtung beim Zoll. Der Job biete ihr Schutz und beruhigende Sicherheit bis zum Ruhestand. Sie würde sich jederzeit wieder dafür entscheiden.
Es klingt superspießig, aber sie ist da nicht allein. Sicherheit ist das Karriereziel Nummer eins bei der Generation Z. Deshalb ist auch der Staat bei jungen Menschen so beliebt. Das beweist eine Studie nach der anderen. 43 Prozent der unter 25-Jährigen würden bei ähnlicher Tätigkeit lieber beim Staat anheuern, zeigt eine Berufsstudie der HDI-Versicherung. Nur 39 Prozent ziehen die Privatwirtschaft vor.
Staat statt Start-up
Der Staat ist zu einem mächtigen Player mutiert, alimentiert mit Rekordeinnahmen und Rekordschulden. Die Gen Z handelt im Grunde also völlig rational: Sie geht dorthin, wo das Geld sitzt. Und dahin, wo Stellen winken, denn der Staat wächst munter weiter: Rund 5,5 Millionen Menschen arbeiten inzwischen im öffentlichen Dienst. Allein innerhalb eines Jahres kamen mehr als 95.000 hinzu.
Der Zeitgeist tickt staatsnah, man kann es nicht anders sagen. Das zeigt sich schon daran, dass mehr als jeder zweite Euro, der in Deutschland erwirtschaftet wird, einmal durch die öffentlichen Kassen wandert. Heißt: Der Staat frisst mehr als die Hälfte unserer Wirtschaftsleistung. Damit befinden wir uns bereits in den Fängen des Sozialismus, so gnadenlos hätte es zumindest Alt-Kanzler Helmut Kohl gesehen. „Bei einer Staatsquote von 50 Prozent beginnt der Sozialismus“, lauteten einst seine Worte.
Wer clever ist, passt sich an. Warum heute noch ein Start-up gründen? Warum produktiv sein, sich in 60-Stunden-Wochen aufreiben – ohne Work-Life-Balance, dafür mit hohen Steuern, Abgaben, viel Bürokratie und Insolvenzrisiko? Man wäre schön blöd.
Vollkasko für alle
Man kann seinen Alltag geschmeidiger gestalten. Entweder man wird wie die Gen Z Beamter oder man lässt sich großzügig subventionieren. Sogar sogenannte NGOs, also Nichtregierungsorganisationen, haben festgestellt, wie gemütlich es ist, am Tropf des Staates zu hängen, statt finanziell unabhängig zu bleiben.
Es gibt auch noch andere Methoden, ganz im Windschatten des Staates zu segeln. Wer unambitioniert genug ist, macht es sich in der Grundsicherung gemütlich. Die Bäume wachsen dort zwar nicht in den Himmel, aber man genießt Vollkasko in der Krise. Steigende Mieten, Heiz- oder Gesundheitskosten? Egal, die Allgemeinheit zahlt sowieso.
Und auch für die Strebsamen hätte ich noch einen ganz rationalen Tipp: Bloß nicht die Sause mit dem eigenen, mühsam erarbeiteten Geld bezahlen. Besser wäre, sich auf Staatskosten ausbilden zu lassen, BAföG oder staatliche Stipendien abzugreifen – und dann ab ins Ausland. Dort winken weniger Steuern, weniger Abgaben. Man muss eben gucken, wo man bleibt.
Das „Deutschlandproblem“
Jetzt fragen manche sicherlich wieder: Was soll der Katastrophismus? Aber ich finde diese Szenarien erschreckend real. Wir haben uns für den Weltmarkt schlichtweg ins Abseits gepreist. Auto-Experte Dudenhöffer nennt es das „Deutschlandproblem“. „Wenn die Arbeitsstunde bei uns in der Autoindustrie bei 65 Euro liegt und in Ungarn bei 18 Euro, braucht sich doch niemand zu wundern, dass BMW und Mercedes nach Ungarn gehen.“
Der Staat ruiniert also die Rahmenbedingungen. Und so kommt es, dass Unternehmen und gut ausgebildete Fachkräfte längst mal lautstark, mal heimlich, das Weite suchen. Und der GenZ-Nachwuchs beschließt, sich die Privatwirtschaft gar nicht erst anzutun. Die Folgen sind leider so tragisch wie absehbar: weniger kluge Köpfe für Innovationen, dafür noch mehr Power für staatliche Komplettbürokratisierung. Na super.
Und wer zahlt die Sause?
Wenn sich am Ende zu viele unter die Fittiche des Staates flüchten (können) und bequem auf Nummer sicher fahren, bleibt aber eine ganz entscheidende Frage: Wer sorgt dann noch für den Wohlstand, der vom Staat so großzügig verteilt wird? Irgendwer muss das Geld erst einmal verdienen.
Werden die Produktiven und Risikofreudigen in Deutschland weiter rar, ist das eine Katastrophe. Der weitere ökonomische Absturz folgt gewiss. Und dann, oh Wunder, wackeln dank dramatischer staatlicher Geldnot ganz schnell auch die supersicheren Beamtenjobs.