Politik

Ilse Aigner: Merz kommt an dieser Frau für Bellevue nicht vorbei

Ilse Aigner: Merz kommt an dieser Frau für Bellevue nicht vorbei
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Berlin – CSU-Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61) steht vor ihrem großen Ziel: Bundespräsidentin, die erste, die es in Deutschland gab. Die Entscheidung ist offenbar gefallen. In Unionskreisen heißt es übereinstimmend: Sie wird’s!

Dabei sah es einige Monate lang nicht danach aus. Denn Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) sträubte sich. CSU-Chef Markus Söder (59) war derjenige, der schon Ende April – sehr zum Ärger mächtiger Parteifreunde in der CDU – das Spiel begonnen hatte. „Die Union wird nach dem Sommer einen Vorschlag machen. Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung“, sagte er damals. Merz (70, CDU) war da gerade auf Dienstreise in Zypern und nicht begeistert. Denn Söder hatte ihn noch nicht mal eingeweiht.

Jetzt, gut sechs Monate später, ist Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61) die einzig übrig gebliebene Bundespräsidentschafts-Kandidatin der Union. Nach BILD-Informationen wird Merz sie am Sonntag allen Fraktionsvorsitzenden der CDU in den Landtagen bei einem Treffen im Kanzleramt als Kandidatin nennen. Dabei hätte sich Merz auch andere Namen als Aigner vorstellen können, trotz des freundschaftlichen Umgangs, den er zu ihr pflegt.

Merz wollte sich von Söder – eine Frage der Ehre – nicht treiben lassen. Und eigentlich lag das Vorschlagsrecht bei der größeren Unions-Schwester CDU. Selbst Söder hatte Merz’ Entscheidungsgewalt anerkannt, als er Aigner im Oktober beim CSU-Parteitag in München anpries. Doch das Spektakel um Aigner (Ovationen im Stehen, Ilse-Rufe) entfaltete seine eigene Kraft – und brachte wichtige CDU-Dominosteine zum Fallen. Während Merz sich auf seiner Asien-Reise noch gegen Aigner sträubte, ohne selbst überhaupt einen anderen Namen zu nennen, wurden zu Hause in Deutschland Fakten geschaffen. Mehr und mehr hochrangige CDU-ler, allen voran Sachsen-Regent Michael Kretschmer (51), sprachen sich für die mächtige Frau aus Oberbayern aus.

SPD spielt bei Bundespräsidenten-Kür wichtige Rolle

Merz hatte es schlicht versäumt, sich rechtzeitig um eine veritable Kandidatin zu kümmern. Er konnte nur noch zur Kenntnis nehmen, wie sich die von Söder angestoßene Aigner-Welle weiter aufbaute. Zuletzt sprachen sich die innerparteilich inzwischen sehr mächtigen Frauen der Unionsfraktion für Aigner aus. Davor hatte bereits der mit Merz eng verbandelte Unionsfraktionschef Thorsten Frei (53, CDU) in BILD anerkennende Worte für Aigner gefunden. Das galt in hohen Parteikreisen als Signal, dass Merz seinen Widerstand gegen den Söder-Vorschlag eingestellt hat. Zumal Merz und Frei wissen: Ohne die SPD gibt es in der Bundesversammlung keine Mehrheit für eine Unionskandidatin. Und SPD-Promis wie Fraktionschef Matthias Miersch (57) hatten Aigner schon nach dem Münchener CSU-Parteitag öffentlich ihren Segen gegeben, als Merz noch in Asien war.

Darum ist Aigner über Parteigrenzen hinweg beliebt

Die Ilse-Welle hat Gründe: Aigner gilt zwar als konservativ, aber unideologisch und pragmatisch. Und sie ist nicht nur in Bayern, sondern bundesweit parteiübergreifend beliebt. Söder hat das früh erkannt. Wenn Aigner nach Berlin geht, hat er in Bayern eine Konkurrentin weniger.

Das nächste Zusammentreffen zwischen Merz, Aigner und Söder gibt es schon Montagabend beim Festakt zum 20. Jahrestag der Eröffnung der Ohel-Jakob-Synagoge in München. Vielleicht ist die Entscheidung dann schon besiegelt – denn Montagfrüh tagt das CDU‑Präsidium.

Vielleicht verpasst