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Evonik-Boss fordert Verschiebung von Kohle-Ausstieg und Klimaneutralität

Evonik-Boss fordert Verschiebung von Kohle-Ausstieg und Klimaneutralität
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Berlin/Essen – Es ist eine knallharte Abrechnung mit der deutschen Energiewende und dem in Nordrhein-Westfalen (NRW) für 2030 geplanten Kohleausstieg! Der Chef des Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, zweifelt am vorgezogenen Ende der Kohleverstromung und fordert eine Verschiebung – genauso wie bei der Klimaneutralität für ganz Deutschland.

Der Braunkohleausstieg in NRW soll eigentlich bis 2030 erfolgen – acht Jahre früher als der ursprünglich bundesweit vorgesehene Ausstieg bis spätestens 2038. Die Vereinbarung wurde Ende 2022 zwischen Bund, Land NRW und RWE getroffen und ist ein Kernprojekt der schwarz-grünen Landesregierung von Hendrik Wüst (51, CDU). ABER: Wüst hatte immer auch gemahnt, dass der Ausstieg nur klappt, wenn rechtzeitig neue wasserstofffähige Gaskraftwerke und andere gesicherte Kraftwerkskapazitäten entstehen.

„Netzinfrastruktur wie in Albanien“

Genau daran glaubt der Evonik-Vorstandsvorsitzende nicht! Kullmann sagte der „Rheinischen Post“: „Den Kohle-Ausstieg 2030 sehe ich nicht. Wir haben nicht genug Gaskraftwerke, um die Versorgung zu sichern.“ Der Konzern-Boss weiter: „Wir haben eine Netzinfrastruktur wie in Albanien, und es gibt weit und breit keinen bezahlbaren Wasserstoff.“

Eine Verlängerung für die Kohle sei im Interesse der Industrie. „Wir werden die Kohle mindestens bis 2033 benötigen, voraussichtlich länger. Das hängt von den Rahmenbedingungen ab“, so Kullmann. Die „Greta-Hörigkeit der Politik“ sei zu groß gewesen. Nun sei es Zeit, auf Wachstum umzusteuern.

„Energiewende hat nichts gebracht“

Der Bundestag hatte im Dezember 2022 ein Gesetz verabschiedet, wonach in NRW drei Braunkohleblöcke bereits 2030 statt 2038 vom Netz gehen sollen. Allerdings enthält das Kohleausstiegsgesetz eine Revisionsklausel. Spätestens im Rahmen der Überprüfung zum 15. August 2026 muss die Bundesregierung entscheiden, ob die Blöcke Niederaußem K sowie Neurath F und G ab April 2030 als Reserve vorgehalten werden und bis 2033 verfügbar bleiben.

Der Evonik-Chef geht in seiner Kritik weiter und fordert zudem, das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland von 2045 auf 2050 zu verschieben: „Das wäre sinnvoll, um unsere Industrie nicht weiter zu benachteiligen.“ Der Evonik-Chef: „Die deutsche Energiewende hat bislang rund 1000 Milliarden Euro gekostet. Und was hat sie uns gebracht? Nichts.

Deutschlands Anteil an den globalen CO2-Emissionen betrage gerade mal 1,6 Prozent. Für das Weltklima sei es „unerheblich, wann wir klimaneutral werden“. Für das Überleben der deutschen Chemie aber nicht, so der Konzern-Boss.

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