Großschönau (Sachsen) – „Damast von Damino“ klingt nach Tausendundeiner Nacht – doch die Firma aus der Lausitz steht seit 120 Jahren für solides Textilhandwerk. Sie fertigt Bezüge für Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge sowie Stoffe für Hotels und Möbelbauer. Nach der Insolvenz vor einem Jahr keimte noch einmal Hoffnung auf: Ein Investor aus Usbekistan wollte einsteigen. Allerdings scheiterte die Übernahme – und mit ihr die letzte Chance auf Rettung. Der Betrieb wird eingestellt, alle Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.
Die Stoffe aus der Oberlausitz sind der Stolz der Region in Sachsen: Sie stehen für Handwerkskunst und meisterliche Verarbeitung. Bei der angespannten Wirtschaftslage sind Standortkosten und die Konkurrenz aus Asien eher der Stoff, aus dem inzwischen ganze Industrie-Albträume gewoben werden. Daraus wurde bei Damino Realität: In kurzer Zeit wird die Produktion stillgelegt, dann ist endgültig Schluss.
So viele Mitarbeiter verlieren ihre Jobs
„81 Beschäftigte der DAMINO GmbH wurden heute darüber informiert, dass der Geschäftsbetrieb des Traditionsunternehmens der deutschen Textilindustrie Anfang Juni 2026 eingestellt werden muss“, heißt es in einer Mitteilung (21. Mai) der Anwaltskanzlei Schultze & Braun, deren Rechtsanwalt Rüdiger Bauch das Insolvenzverfahren als Sachverwalter betreute.
Warum die Übernahme scheiterte
Hintergrund ist die geplatzte Zahlung eines Übernahmeinteressenten aus Zentralasien: Die Zarhal Group leistete zwar vertragsgemäß eine Vorauszahlung, der vollständige Kaufpreis wurde aber nicht überwiesen. Schuld sei das Bankensystem in Usbekistan: Dort werden solche Transaktionen zentral überwacht. Banken können Überweisungen verzögern und Zahlungen in Fremdwährung auf unbestimmte Zeit blockieren.
Das sagt der Geschäftsführer
Daraufhin beschlossen die Gläubiger das Aus der Textilfirma. Geschäftsführer Sandro Strack zeigt sich enttäuscht, dass die Transaktion schiefging: „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir alles in unserer Macht Stehende dafür getan, den Kaufvertrag zu vollziehen und die Transaktion rechtskräftig umsetzen zu können.“ Das Unternehmen hatte demnach allen Grund zur Zuversicht.
Schließlich hatte der Investor erst im letzten Jahr den schlingernden sächsischen Konkurrenten Curt Bauer übernommen. Die Zarhal Group ist ein stark wachsender Textilkonzern aus Buchara, der in Usbekistan auch selbst Baumwolle anbaut.
360 Jahre Industriegeschichte
Damino ist einer der letzten großen vollstufigen Textilproduzenten in Deutschland. Heißt: Die gesamte Wertschöpfungskette ist unter einem Dach vereint. Die Damastweberei begann in Großschönau bereits im Jahr 1666, als Weber die Fertigungstechnik für Damast nach einer Reise in die Niederlande mitbrachten. Jetzt verlieren in dem 5000-Einwohner-Ort von den zuvor rund 120 Mitarbeitern die letzten 81 ihre Jobs – und die Traditionsmarke verschwindet.