Reutlingen (Baden-Württemberg) – Flammen schlugen aus dem Umspannwerk, Sekunden später lag die Stadt im Dunkeln. 40.000 Menschen ohne Strom, Kliniken im Krisenmodus, Ampeln tot. Jetzt ermitteln Staatsschutz und das Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts. Der Verdacht: vorsätzliche Brandstiftung. Innenminister Manuel Hagel (38, CDU) verspricht: „Wir werden die Täter mit aller Härte zur Rechenschaft ziehen.“
Der Vorwurf lautet auf „vorsätzliche Brandlegung und Störung öffentlicher Betriebe“, sagte Hagel am Montagabend in Reutlingen (Baden-Württemberg). Für eine endgültige Bewertung sei es noch zu früh. Die Ermittler prüfen „ergebnisoffen in alle Richtungen“. Dabei werde auch geklärt, ob wirklich „ein Brandanschlag hier vorliegt oder gar ein terroristischer Akt vorliegt“.
Gegen 1.40 Uhr brach das Feuer in der Nacht auf Montag aus. Das Umspannwerk an der Markwiesenstraße im Stadtteil Betzingen stand in Flammen – und legte die Stadt binnen Sekunden lahm. Kliniken und Pflegeheime schalteten in den Krisenmodus, Ampeln fielen aus, auch Handy- und Internetverbindungen wurden gestört. Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) betonte, dass auch das örtliche Krankenhaus vom Stromausfall betroffen war. Dies habe Leben gefährdet – „und das ist unverzeihlich“, sagte Keck. Er fügte hinzu: „Wir müssen uns verteidigen – wir wissen noch nicht, gegen wen.“
7600 Gebäude betroffen
Laut Minister Hagel waren 7600 Gebäude und rund 40.000 Personen von dem Stromausfall betroffen. Noch konnten nicht wieder alle Haushalte ans Netz angeschlossen werden. Die Polizei Reutlingen werde im Bereich der wichtigen Infrastruktur „verstärkte Präsenzmaßnahmen“ ergreifen, kündigte Hagel an. In den Gebieten ohne Strom werde in der Nacht eine Einsatzhundertschaft unterwegs sein, damit sich die Menschen sicher fühlen könnten.
„Keinen Stein auf dem anderen lassen“
Hagel kündigte an, mit aller Härte durchgreifen zu wollen. „Unsere Ermittlungsgruppe wird keinen Stein auf dem anderen lassen, um diese Täter zu finden.“ Er ergänzte eine Warnung: „Jeder, der sich überlegt, so etwas an der kritischen Infrastruktur in Baden-Württemberg zu machen, dem muss klar sein, dass wir als Landespolizei, unser Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart alles tun werden, um diesem Terror Einhalt zu gebieten und mit aller Härte dagegen vorgehen werden.“