Erfurt (Thüringen) – AfD-Rechtsaußen Björn Höcke (54) offenbart in Zürich eine krude Weltsicht – und sortiert die Deutschen kurzerhand neu: in „echte“ Deutsche und in „deutsch sprechende Amerikaner“. Die „echten“ verortet er im Osten. Die anderen im Westen – also dort, wo er selbst geboren wurde. Höcke stammt aus Lünen (NRW).
Im Podcast des Schweizer Weltwoche“-Herausgebers und Putin-Apologeten Roger Köppel (61) schwadroniert Björn Höcke mehr als zwei Stunden über seine Sicht auf unser Land. Köppel hatte seinen Gesprächspartner zuvor als „die größte Reizfigur in der deutschen Politik“ angekündigt. Der Beweis folgt prompt. Höcke sagt: „Im Westen der Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner, im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche. Im Osten sind die Menschen noch Deutsche.“ Ein Satz, der Millionen Bürger im Westen gewaltig gegen den Strich gehen dürfte.
Westen hat sich eine Ersatzidentität zugelegt
Doch Höcke legt nach. Der Westen habe sich nach 1945 eine „Ersatzidentität“ zugelegt. Gemeint seien „die europäische Integration beziehungsweise die amerikanische Kultur“. Der Osten hingegen habe sich das „Deutsche“ bewahrt. Für den Thüringer AfD-Landeschef erklärt genau dieser Gegensatz, warum Ost und West – so seine Sicht – bis heute getrennt sind.
Tatsächlich war der Ausländeranteil in der DDR verschwindend gering: ein paar Vertragsarbeiter aus Angola oder Vietnam, dazu einige ausländische Studenten und Sowjetsoldaten, die ihre Kasernen nur selten verlassen durften.
Schließlich raunt Höcke vom „Finis Germania“
Schließlich wird der Ton noch düsterer. In Zürich raunt Höcke vom „Finis Germania“, vom Ende Deutschlands, und zeichnet das Bild eines Landes im freien Fall. Die Bundesrepublik steuere auf den Niedergang zu, so seine Darstellung. Die Regierungen in Berlin seien vom „Hegemon“ USA fremdgesteuert.
Die Elite der Bundesrepublik sei keine „deutsche Elite“, doziert Höcke: „Sie hat niemals gelernt, deutsche Interessen zu definieren. Das ist eine Elite, die mit Deutschland nichts anfangen kann und im schlechtesten Fall Deutschland sogar hasst.“ Neu sind solche Töne nicht. Seit Jahren vertritt Höcke ein Verständnis von Nation, das stark auf ethnisch-kulturelle Abstammung setzt. Nach Auffassung des Verfassungsschutzes stellt er sich damit gegen den Staatsbürgerschaftsbegriff im Grundgesetz.