Wirtschaft

Aurubis' neuer Recycling-Turbo: So stärkt Hamburg Europas Resilienz

Aurubis' neuer Recycling-Turbo: So stärkt Hamburg Europas Resilienz

Zumindest in einer Hinsicht schwimmt die Führung von Aurubis seit Jahren beständig gegen den Strom: Aurubis investiert konstant Hunderte Millionen Euro in die Erneuerung und den Ausbau seiner Anlagen speziell auch am Stammsitz Hamburg, allem Getöse zum vermeintlichen Niedergang des Industriestandorts Deutschland zum Trotz. Am Freitag nahm der Multimetall-Hersteller seine neue Recyclinganlage auf der Peute in Betrieb, nach zweieinhalb Jahren Bauzeit. Investiert hat Aurubis in das Projekt „Complex Recycling Hamburg“ 190 Millionen Euro. Im Juli bezieht das Unternehmen, einer der führenden Kupferhersteller der Welt, zudem seine neue Konzernzentrale in der Hafencity. Insgesamt arbeiten für Aurubis im In- und Ausland rund 7200 Menschen, davon etwa 2800 in Hamburg.

Christopher Schwieger (parteilos), Staatsrat der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation, ordnete die Investition am Freitag so ein: „,Complex Recycling Hamburg‘ zeigt, wie moderne Industrieproduktion, Innovation und Nachhaltigkeit erfolgreich zusammenwirken. Die Investition ist wichtig für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt und die Sicherung von hochqualitativen Arbeitsplätzen.“

Die neue Recyclinganlage sei weltweit „einmalig“, teilt Aurubis mit. Mit einer Kapazität von jährlich 30.000 Tonnen Recyclingmaterial kann die Anlage verschiedene Metalle wie Kupfer, Blei und Edelmetalle und Verbindungen wie Schwefelsäure in einem integrierten Prozess zugleich extrahieren: „Das Herzstück ist ein speziell entwickelter Konverter, der die eingesetzten Elemente voneinander trennt. Das Aggregat verarbeitet Chargen von etwa 45 Tonnen Gewicht, bei Temperaturen von bis zu 1400 Grad Celsius.“

Aurubis bezeichnet sich selbst als einen „weltweit führender Anbieter von Nichteisenmetallen und einer der größten Kupferrecycler der Welt“. Neben seinem Basismetall Kupfer erzeugt Aurubis unter anderem auch relevante Mengen an Gold, Platin und Silber. Die Wiederverwertung von Material spielt bei dem Konzern eine große Rolle. Getrieben sind die Investitionen von Aurubis auch von einer stetig steigenden Energieeffizienz und von verstärkten Anstrengungen zur Reinhaltung von Luft und Wasser rund um die Produktionsprozesse. Anders wäre der Betrieb einer großen Metallerzeugung heutzutage unmittelbar neben dem Zentrum etwa einer deutschen Stadt wie Hamburg auch nicht mehr möglich.

Aurubis-Produktionsvorstand Tim Kurth erklärte die neue Anlage am Freitag so: „Die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Kupfer wächst weltweit stark. Wir brauchen daher besseren Zugang zu Recyclingmaterialien und mehr Innovationen in der Verarbeitung komplexer Materialien“, sagte Kurth. „Mit ,Complex Recycling Hamburg‘ stärken wir unsere Multimetall-Kompetenz und zeigen eindrucksvoll, wie man Metalle in Deutschland nachhaltig und zuverlässig verarbeiten kann.“

Die Sicherung kritischer Rohstoffe und Recyclingmaterialien hat in der heutigen Zeit auch eine wachsende politische Relevanz. Die Finanzierung von „Complex Recycling Hamburg“ wird durch das erste Investitionsdarlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterstützt, das im Zuge der Rohstoffstrategie der Europäischen Union aus dem Jahr 2024 vergeben worden ist. „Die Sicherung kritischer Rohstoffe wie Kupfer sowie der Ausbau von Recyclingkapazitäten in Europa sind zentral für Resilienz, nachhaltiges Wachstum und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“, sagte EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer. „Das EIB- Darlehen an Aurubis stärkt europäische Wertschöpfungsketten und zeigt, dass wir im Einklang mit dem Critical Raw Materials Act zügig und entschlossen handeln.“

Stefan Rouenhoff (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, sagt: „Die Sicherung kritischer Rohstoffe ist eine der zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Innovative Projekte wie ,Complex Recycling Hamburg‘ machen hierbei den Unterschied: Sie stärken die Versorgungssicherheit und industrielle Basis in Deutschland und machen unsere Volkswirtschaft resilienter.“

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Die Berichterstattung über Industrieunternehmen wie Aurubis zählt zu seinen Schwerpunktthemen.

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