Augsburg (Bayern) – Es gehört mit zum Abscheulichsten, was eine Mutter einem Kind antun kann: Esra Y. (39) verkaufte im Internet Nacktaufnahmen ihrer damals erst 3 Jahre alten Tochter. Jetzt muss sie wegen schweren sexuellen Missbrauchs und wegen Herstellens kinderpornografischer Inhalte ins Gefängnis. Die heute 14-Jährige und ihre Geschwister wurden in Obhut genommen.
„Meine Mandantin schämt sich, es war der größte Fehler ihres Lebens“, sagt der Anwalt der Türkin am Mittwoch vor dem Amtsgericht Augsburg (Bayern). Die Sexualstraftaten fanden laut Anklage schon 2015 bis 2018 statt, wurden aber erst im letzten Jahr bekannt. Daraufhin wurde Esra Y. das Sorgerecht für ihre drei Töchter (6 bis 14) entzogen. Sie darf sie nur noch einmal im Monat in Begleitung einer Anwältin sehen.
„Freundschaftlicher Kontakt“ zu Pädokriminellem
Laut Staatsanwaltschaft begann der Fall auf einem Kleinanzeigen-Portal, das Ermittlern als Tummelplatz für Pädokriminelle bekannt ist. Dort hatte sie einen „Carsten“ kennengelernt. Der Mann gewann das Vertrauen von Esra Y., weil er ihr zuhörte: „Ich wurde in meiner Ehe von meinem Mann geschlagen und erniedrigt“, sagt sie im Prozess. „Wir hatten freundschaftlichen Kontakt, haben uns aber nie getroffen.“
Als „Carsten“ sie nach obszönen Aufnahmen ihrer Tochter fragte, lehnte Esra Y. nach eigener Aussage zunächst ab. Aber sie blieb mit ihm in Verbindung. Anzeige erstattete sie erst recht nicht. Und als er mit „Taschengeld“ lockte, lieferte sie und drehte widerliche Videos für ihren Bekannten, lud sie ihm auf die Plattform. Das versprochene Geld will sie dann nicht bekommen haben. Deshalb löschte sie die Aufnahmen nach einiger Zeit von der Plattform und glaubte, damit sei alles erledigt.
Mirco S. versprach Frauen Schönheits-OPs
Doch Jahre später fiel „Carsten“ den Behörden auf. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Mannes, der in Wahrheit Mirco S. heißt, und fand die von Esra Y. gemachten Videos. Sie war nicht die einzige Frau, die der Pädokriminelle zu Missbrauchsaufnahmen überredet hatte. Eine Ermittlerin: „Bei dem Mann wurden zahlreiche ähnliche Videos entdeckt, weitere Frauen sind beschuldigt. Er hatte den Frauen entweder Geld oder Schönheitsoperationen versprochen.“
Das Gericht verurteilte Esra Y. zu 2 Jahren und 4 Monaten Freiheitsstrafe. Sie habe die Schutzlosigkeit ihres Kindes ausgenutzt, so die Richterin Dr. Huber: „Das Kind wird die Folgen des Geschehens eines Tages verarbeiten müssen.“