Berlin/Ingolstadt – Audi-Chef Gernot Döllner (57) strahlte neben Donald Trump (80), versprach Milliarden und Tausende Jobs in Amerika. Doch in Deutschland ist die Wut groß. BILD erreichen zahlreiche empörte Zuschriften. Stammkunden kündigen an, nie wieder Audi fahren zu wollen.
Einer von ihnen ist Josef Hofbauer (66) aus Erlangen. Seit 1985 fährt der pensionierte Automatisierungsexperte Audi, derzeit einen A6. Schon länger ärgert ihn die Modellpolitik. „Aber der Auftritt jetzt von Döllner mit Trump hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Nach 41 Jahren will er keinen Audi mehr kaufen, auch keinen VW. „Es ist hochgradig unmoralisch“, sagt er über den Auftritt. Seinem Audi-Händler hat er seinen Ärger bereits schriftlich mitgeteilt.
Auch Eckard Zunft (68) aus Weyhe bei Bremen zieht Konsequenzen. Der frühere Polizeibeamte fährt seit 16 Jahren Audi. „Ich werde mir keinen Audi mehr kaufen.“ Bisher habe er deutsche Autos gekauft, um heimische Jobs zu sichern. „Wenn alle nur noch im Ausland produzieren, dann kann ich mir auch ein chinesisches Auto kaufen.“
BILD-Leser Jörg Nagel interessierte sich für einen neuen RS6. Jetzt schreibt er: „Nach so einer Nachricht – besonders jetzt vor den USA-Wahlen – distanziere ich mich von Audi.“
US-Werk richtig, Trump-Auftritt falsch
Audi will vier Milliarden Dollar in ein US-Werk stecken, dort 4500 Jobs schaffen. Verkündet wurde das bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps in Georgia, kurz vor den US-Zwischenwahlen. Gleichzeitig streicht Audi in Deutschland bis 2029 rund 7500 Stellen. Die geplanten acht Milliarden Euro Investitionen in Deutschland bis 2029 bleiben laut Audi bestehen. Der VW-Aufsichtsrat hat dem US-Bau noch nicht zugestimmt.
Doch das neue US-Werk ist aus Sicht der Markenexperten gar nicht das Problem. Prof. Franz-Rudolf Esch hält die Investition in Amerika für richtig, den gemeinsamen Auftritt mit Trump aber für „einen großen Fehler“. Er sagt zu BILD: „Der Vorstandsvorsitzende von Audi sollte sich nicht von Trump vor seinen Karren spannen lassen.“
Experte: Auftritt mit Trump „ein schwerer PR-Fehler“
Ähnlich urteilt Prof. Henrik Sattler von der Universität Hamburg: „Der gemeinsame Auftritt war eher ein schwerer PR-Fehler.“
Der Vergleich mit Tesla
Aber wie gefährlich wird der Ärger für Audi? „Boykottandrohungen muss man schon ernst nehmen“, warnt Sattler.
Auch Prof. Carsten Baumgarth von der HWR Berlin sieht Gefahren: „Im Premiumbereich ist das Markenimage entscheidend.“ Denn die technischen Unterschiede zwischen den Autos würden immer kleiner. Verärgerte Kunden seien deshalb durchaus eine Gefahr. Allerdings kaufen die meisten Menschen nur alle paar Jahre ein neues Auto. Bis zur nächsten Kaufentscheidung könne der Ärger längst vergessen sein, so Baumgarth.
Wie heftig Kunden reagieren können, zeigte sich bei Tesla. Aus Protest gegen Elon Musks politische Auftritte klebten sich manche Besitzer sogar Anti-Musk-Aufkleber aufs Auto. Doch die Markenexperten sehen einen Unterschied: Musk sorgte mit seinen politischen Äußerungen immer wieder für Empörung. Döllners Trump-Auftritt war bislang einmalig. Esch: „Der Aufschrei ist meist groß, geht dann aber schnell im Tagesgeschehen wieder unter.“
Audi beobachtet Kunden-Zorn genau
Der Autobauer betont auf BILD-Anfrage seine politische Neutralität. „Gleichzeitig sehen wir, dass der Rahmen der Ankündigung der Produktion in den USA als politisches Signal wahrgenommen wurde“, sagt eine Sprecherin zu BILD. Die Kritik langjähriger Kunden nehme man „sehr ernst“. Audi höre zu und suche „den Dialog“.