JAAAAAAAAAA! Es ist endlich wahr! Tennis-Star Alexander Zverev (29) hat seinen ersehnten Grand-Slam-Titel in der Tasche. Der Hamburger gewinnt die French Open in Paris, schlägt den Italiener Flavio Cobolli (24) 6:1, 4:6, 6:4, 6:7, 6:1. Damit ist Zverevs letzter Titeltraum erfüllt: Nach Olympiasieg 2021, zwei WM-Titeln 2018 und 2021 und sieben Masters-Gewinnen nun der Major-Erfolg, dem er seit seinem ersten Profi-Match 2013 hinterherjagte. Jetzt ist er der Vollendete!
Als der Matchball verwandelt ist, lässt er sich in den roten Sand fallen, liegt da, wie vor vier Jahren im Halbfinale gegen Rafael Nadal (40), fast an derselben Stelle. Nur diesmal ohne Schmerzen, aber auch mit Tränen, Tränen der Freude! Er rennt in die Box, umarmt Papa, Oma, Bruder – einfach alle, die da sind. Dann sitzt er schnell wieder auf seiner Bank, das Gesicht in seinen Händen vergraben.
Es ist sein 25. Titel auf der ATP-Tour und Tennis-Ikone Boris Becker (58), der 1996 die Australian Open gewann, hat endlich einen Nachfolger als Grand-Slam-Sieger gefunden. Kein deutscher Mann gewann seitdem eines der vier großen Events. Der letzte deutsche Sieger bei den French Open liegt noch viel weiter zurück, sagenhafte 89 Jahre. 1937 gewann Henner Henkel (†27) in Paris. Nach ihm und Gottfried von Cramm (†67), der 1934 und 1936 gewann, ist Zverev erst der dritte deutsche Sieger bei den French Open und der fünfte insgesamt nach diesen beiden, Becker und Michael Stich (57), der 1991 in Wimbledon jubelte.
Gegen die Nummer 14 der Welt ist Zverev ohnehin schon klarer Favorit: Doch von Beginn an ist die Nummer 3 der Welt hoch konzentriert, reißt Oma Natalia Fateeva (78) in der Box immer wieder zu Beifallsstürmen hin und macht sofort deutlich, wer den Court Philippe Chatrier als Sieger verlassen wird. Nach 35 Minuten ist der erste Satz 6:1 im Sack.
Aber dann lässt Zverev den Außenseiter zurück in die Partie. Er verschlägt Bälle, die er traumhaft sicher verwandeln würde, wenn man ihn nachts um 3 Uhr weckt. So verschafft er Cobolli ein Break, der nimmt dankend an. Zverev mault in seine Box, die aber viel zu weit weg ist, als dass man da was verstehen könnte. Cobolli hält er das Break und serviert den Satz zum 6:4 aus. Was ist plötzlich mit Zverev los?
Der verlorene Satz bleibt zum Glück nur ein kurzer Einschnitt. Er fängt sich schnell wieder und stabilisiert sein Spiel. Nervenstark und wie schon öfter im Turnier ist er im entscheidenden Moment voll da. Ihm gelingt nur ein Break, das aber zum 6:4 im letzten Spiel des dritten Satzes. Somit gerät Cobolli vor den Augen von Ex-Arsenal-London-Trainer Arsène Wenger (76), Ex-Fußballstar Éric Cantona (60), Schauspieler Rami Malek (45) und Musiker Lenny Kravitz (62) gehörig unter Druck.
Dem weicht er aber aus und startet wie eine Rakete in den vierten Durchgang; nimmt Zverev sofort den Aufschlag ab. Dann fliegen die Breaks nur so hin und her. Oma Natalia springt immer wieder auf, klatscht, ruft rein. Sie ist es, die die Box längst stimmungsmäßig mitreißt. Schrecksekunde: Nach dem 6:5 lässt sich Zverev am rechten Oberschenkel behandeln, bekam zuvor Tabletten gereicht. Eine medizinische Auszeit nehmen muss er aber nicht. So geht es in den Tiebreak, den er verliert. Es ist erst der dritte von 29 in seiner Roland-Garros-Geschichte. Und dann ausgerechnet im Finale.
Aber das scheint für ihn wie ein Wachmacher zu sein. Eine Trotzreaktion, oder Cobolli ist einfach müde – was auch immer. Zwei Breaks landet Zverev im fünften Durchgang zu Beginn, führt schnell 4:0. Nach 4:16 Stunden dann gibt's kein Halten mehr! Der zweite Matchball zum 6:1 sitzt – der erste Sieg in seinem vierten Major-Finale!
ALEXANDER ZVEREV IST GRAND-SLAM-SIEGER!