München/Mainz – Eklat beim ZDF! Kurz vor der Aufzeichnung der Satiresendung „Die Anstalt“ soll die Intendanz persönlich den Auftritt von Pianist Igor Levit und Musiker Danger Dan gestoppt haben. Die beiden Künstler erheben jetzt schwere Vorwürfe: Die Entscheidung habe einen politischen Hintergrund und sei ein „Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit“.
Igor Levit und Danger Dan erklären auf Instagram, dass sie kurzfristig von der Aufzeichnung in München am Mittwoch ausgeladen worden seien: „Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen.“ Eine offizielle schriftliche Begründung hätten sie bislang nicht erhalten, aber das Auftrittsverbot habe „natürlich einen politischen Hintergrund“. Geplant war ein Auftritt mit ihrem neuen Lied „Keine Angst“, das sie selbst als antifaschistisch bezeichnen. Das Lied wird am 17. Juli veröffentlicht.
Der Song habe dem Sender seit Wochen vorgelegen, der hauseigene Justiziar habe bereits grünes Licht gegeben. „Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös“, erklären die Musiker. Auch die Redaktion von „Die Anstalt“ stellt sich gegen die Entscheidung. In einem Statement bezeichnet das Team die Ausladung als „mutlos“ und erklärt, es wäre die „öffentlich-rechtliche Pflicht“ gewesen, das Lied zu zeigen und anschließend darüber zu diskutieren. Und: „Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt.“
Künstler werfen ZDF „autoritären Akt“ vor
Dass das Lied Diskussionen auslösen könnte, sei ihnen bewusst gewesen, schreiben Levit und Danger Dan. Genau solche Debatten seien aber Teil einer Demokratie. Aber: „Es fühlt sich scheiße an, ausgeladen zu werden, und es macht Angst vor dem, was gerade auf uns zukommt.“ Dass ihr Auftritt verhindert worden sei, bezeichnen sie als einen „autoritären Akt“. Gerade mit Blick auf die politische Lage und die anstehenden Wahlen in Deutschland sei der Vorgang „kein gutes Omen“ und reihe sich aus ihrer Sicht „gut ein“ in die gemeinsame Geschichte mit dem ZDF.
ZDF spricht von „Aufruf zu Gewalt“
Das ZDF weist den Vorwurf eines Eingriffs in die Kunstfreiheit zurück. Auf BILD-Anfrage erklärte der Sender, der Text des Liedes könne „als Aufruf zu Gewalt verstanden werden“ und stehe damit „im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF“. Nach einer „intensiven redaktionellen Bewertung“, an der auch die Geschäftsleitung beteiligt gewesen sei, sei man zu dem Schluss gekommen, dass dieser Konflikt im Anschluss an eine mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht aufzulösen gewesen sei. Stattdessen wolle das ZDF sich „zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan befassen“ und es an anderer Stelle im Programm aufarbeiten.