Kiew – Es war ein Treffen hinter verschlossenen Türen – mit einer klaren Botschaft an den Kreml. Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) hat in einem Interview mit dem britischen Sender „Sky News“ bestätigt, dass der russische Oligarch Roman Abramowitsch mit einer Nachricht von Wladimir Putin (73) zu ihm gekommen ist. Zuvor hatte die „Financial Times“ über das Treffen berichtet, das als brisantes Signal aus Moskau gewertet wird – denn es war kein Diplomat, sondern ein Vertrauter des Kremlherrschers, der als Bote fungierte.
Abramowitsch ist bekannt als früherer Besitzer des englischen Fußballklubs FC Chelsea. Wegen des Ukraine-Kriegs musste er den Klub an ein Konsortium um den US-Geschäftsmann Todd Boehly (52) verkaufen. Anfang der 2000er war er Gouverneur der russischen Region Tschukotka, machte seine Milliarden (Vermögen: 9,3 Milliarden US-Dollar) nach dem Zerfall der Sowjetunion mit der Privatisierung von Staatsunternehmen und der Zerschlagung des Yukos-Konzerns 2003. Er steht auf westlichen Sanktionslisten.
Zu Selenskyj soll er laut dessen Aussage gesagt haben: „Ich habe eine Nachricht für Sie und ich möchte eine Nachricht von Ihnen an Putin übermitteln.“ Einzige Bedingung: Es müsse Stillschweigen bewahrt werden. Selenskyj habe darauf kühl reagiert. Nach eigenen Angaben antwortete er: „Es ist Ihre Entscheidung. Für uns spielt es keine Rolle, ob es öffentlich ist oder nicht.“ Er habe kein Vertrauen in Moskaus Diskretion, so Selenskyj. Und er glaube auch nicht, dass die Russen die Nachricht für sich behalten würden.
Selenskyj: klare Worte zum Donbass
Selenskyj verriet, dass Abramowitsch wohl nach Kiew gekommen sei, um auszuloten, wozu die Ukraine bereit sei. Doch der Präsident habe klargestellt, dass es nicht darum gehe, sondern um Russland. „Ihr kämpft gegen uns und unser Territorium“, habe er geantwortet. Die Ukraine werde den Donbass nicht aufgeben: „Wir werden euch keinen Sieg schenken – auf diese Art, und ihr werdet ihn auch nicht erringen!“
Nach diesen klaren Ansagen sei es um mögliche Kompromisse gegangen. Selenskyj habe eine rote Linie gezogen. „Ein Waffenstillstand ist unsererseits der größte Kompromiss“, habe er erklärt. Erst danach könne über weitere Schritte gesprochen werden. Zugleich bot er erneut direkte Gespräche mit Putin an – allerdings nicht in Russland oder Belarus.
„Ich sagte: ‚Sie können einen beliebigen Zeitpunkt wählen – jeden beliebigen Tag und jedes Format. Wir können Präsident Trump einbeziehen‘“, so Selenskyj. Oder die Europäer. Er sei überzeugt, dass alle helfen wollten. Wohlgemerkt: Das Treffen fand statt, bevor der Ukraine-Präsident vergangene Woche einen offenen Brief an Putin versandte, in dem er Gespräche anbot. Putin hatte es abgelehnt, mit der Aussage, er sehe keinen Anlass dazu.