Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist im ersten Quartal überraschend geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Januar bis März um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte.
Es korrigierte damit eine frühere Schätzung nach unten, die noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent ergeben hatte. Im Vorquartal hatte es noch zu einem Plus von 0,2 Prozent gereicht.
Die Korrektur hatte sich abgezeichnet, nachdem zuvor Irland seine Konjunkturdaten massiv revidiert hatte. Auf der Insel brach das BIP im ersten Quartal um 12,1 Prozent ein, nachdem zunächst nur ein Minus von zwei Prozent gemeldet worden war.
Der Absturz ist auf Sondereffekte im großen multinationalen Sektor des Landes zurückzuführen, insbesondere in der Pharmabranche. 2025 wuchs die irische Wirtschaft um 12,3 Prozent. Grund dafür war ein starker Anstieg der Pharmaexporte in die USA, angetrieben durch Lageraufstockungen wegen drohender Zölle und eine boomende Nachfrage nach in Irland hergestellten Wirkstoffen für Abnehmmedikamente. Dieser Effekt kehrte sich nun um.
„Insgesamt erschweren die irischen Zahlen die Interpretation des Konjunkturtrends in der Euro-Zone erheblich“, sagte der Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon, Daniel Hartmann.
Für die Europäische Zentralbank (EZB) macht das die Sache nicht einfacher. Sie dürfte kommenden Donnerstag ihren Leitzins zum ersten Mal seit fast drei Jahren anheben. Ökonomen rechnen fest damit, dass die Währungshüter den Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent heraufsetzen werden. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist die Inflation vor allem wegen des hohen Ölpreises gestiegen: Lag die Teuerungsrate im Februar noch bei 1,9 Prozent, waren es im Mai schon 3,2 Prozent. Dies liegt deutlich über der Zielmarke der EZB von zwei Prozent.
Höhere Zinsen können der Wirtschaft aber das Leben noch schwerer machen. Für die Euro-Zone erwartet die Industriestaaten-Organisation OECD im laufenden Jahr nur ein Wachstum von 0,8 Prozent, für 2027 von 1,2 Prozent.