Das peinliche Aus im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft wirkt auch noch zwei Tage nach dem 4:5 nach Elfmeterschießen gegen Paraguay nach. Die Spieler und Bundestrainer Julian Nagelsmann sind bereits aus den USA abgereist. Es ist unklar, ob Nagelsmann seinen Job behält oder der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich von ihm trennt. Einen Rücktritt hatte der 38-Jährige ausgeschlossen.
Die Rufe nach Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer werden immer lauter. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger hat Verständnis dafür, zweifelt aber daran, dass der ehemalige Liverpool-Coach der Heilsbringer für den deutschen Fußball sein kann. Der Weltmeister von 2014 sieht tiefgreifende Probleme bei der Nationalmannschaft und beim DFB.
Schweinsteiger glaubt nicht, dass sich in den kommenden beiden Jahren bis zur Europameisterschaft viel ändern wird. „Aktuell habe ich keine große Hoffnung. Wir sind Mittelmaß. Das ist die Wahrheit, das ist die nackte Wahrheit. Wenn sie sich so präsentieren, dann sind wir im Mittelmaß“, sagte Schweinsteiger. Jetzt müsse alles analysiert werden: „Wir müssen es wieder aufbauen und das kostet viel Kraft und viel Energie. Die Fragen, die sich der DFB stellen muss: Kann es Julian Nagelsmann oder muss es jemand Neues sein? Kann Julian Nagelsmann eine Aufbruchstimmung erzeugen?“
„Robustheit, Identität und Kampfeswille verloren“
Schweinsteiger bemängelt Fehler von Nagelsmann, die er vor allem abseits des Platzes gemacht hat: „Er hat mit Sicherheit seine Fehler gemacht, gerade auch in der Kommunikation. Ich habe ja auch mal die Ehre gehabt, mit Trainern zu arbeiten. Erfahrene Trainer, die ein bisschen gelassener und souveräner mit solchen Situationen umgegangen sind.“
Der ehemalige Bayernspieler will das Ausscheiden im Sechzehntelfinale und die enttäuschenden Auftritte in der Vorrunde nicht alleine am Trainer festmachen, er nimmt die Spieler in die Pflicht: „Die Frage ist natürlich, was haben wir denn für ein Spielermaterial? Wer kann uns garantieren, dass wir mit einem neuen Trainer erfolgreicher sind?“
Die Gründe für das desolate Abschneiden bei den vergangenen Weltmeisterschaften liegen laut Schweinsteiger viele Jahre zurück. „Da haben wir gesagt, dass wir nur noch Fußball spielen müssen. Was wir verloren haben, ist Robustheit, Identität, Kampfeswille. Und das hat man gemerkt gegen Ecuador, gegen Paraguay und gegen die Elfenbeinküste. Andere Mannschaften haben das. Und alle meine Ex-Kollegen sagen zu mir: ‚Ihr habt die DNA verloren und Fußballspielen könnt ihr auch nicht mehr so gut, und deswegen seid ihr ausgeschieden‘“, sagte Schweinsteiger.