Wirtschaft

Werft TKMS wird zum wichtigsten Lieferanten der Deutschen Marine

Werft TKMS wird zum wichtigsten Lieferanten der Deutschen Marine

Das Kieler Marinewerftunternehmen TKMS baut für die Deutsche Marine zunächst vier neue Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU, die nun Typ F128 genannt werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab dafür am Mittwoch die notwendigen Mittel frei. Das Bundesverteidigungsministerium nennt für die vier Fregatten ein Auftragsvolumen von 6,3 Milliarden Euro. Eine Option für vier weitere F128 hätte ein Volumen von 5,3 Milliarden Euro. Die erste F128 will TKMS im Jahr 2029 abliefern. Die Schiffe sind auf die U-Boot-Jagd spezialisiert.

„Der Beschluss ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Fähigkeiten der Deutschen Marine“, sagte Oliver Burkhard, der Vorstandsvorsitzende von TKMS. Es handele sich um „ den größten Überwasser-Auftrag in der Geschichte von TKMS. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass die Schiffe aufgrund der Sicherheitslage sehr schnell gebaut werden müssen, was in den Verträgen auch so hinterlegt ist.“ Man werde dies „gemeinsam mit unseren Industriepartnern aus ganz Deutschland“ angehen.

TKMS wird mit dem Großauftrag zum wichtigsten Systemlieferanten der Deutschen Marine. Grundsätzlich beziehen die deutschen Seestreitkräfte bereits ihre U-Boote aus Kiel. Derzeit baut TKMS jeweils sechs Boote des weltweit modernsten nicht-nuklear-angetriebenen Typs 212 CD für die Deutsche Marine und für die Königlich Norwegische Marine. Kooperationspartner dabei ist das norwegische Unternehmen Kongsberg. Mit rund 9700 Beschäftigten – inklusive Zeitarbeitern – ist TKMS das mit Abstand größte Marinerüstungsunternehmen in Deutschland. Etwa 3700 Menschen arbeiten für TKMS am Stammsitz in Kiel, als weiteren Standort baut TKMS die 2022 übernommene Werft in Wismar aus.

In der Nacht zum Dienstag hatte sich TKMS in einem Bieterkampf gegen das südkoreanische Unternehmen Hanwha Ocean durchgesetzt. Die Kieler sollen zwölf 212 CD (CD steht für „Common Design“) für die kanadische Marine bauen, der detaillierte Vertrag wird nun ausgehandelt. Das bislang größte Projekt überhaupt in der Geschichte von TKMS hat ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro, etwa zehn Milliarden Euro entfallen auf TKMS. Dessen gesamter Auftragsbestand wächst mit der Fregatte F128 und den kanadischen 212 CD auf annähernd 38 Milliarden Euro.

Den Auftrag für die Fregatte F128 konnte TKMS erringen, weil das Bundesverteidigungsministerium den Bau der eigentlich für die Deutsche Marine vorgesehenen, deutlich größeren Fregatte F126 gestoppt hatte. In dieses Projekt waren von Behörden und Unternehmen bereits 15 Jahre Vorarbeit und rund 2,3 Milliarden Euro investiert worden. Dem niederländischen Marinewerftunternehmen Damen Naval, das 2020 den Generalauftrag erhalten hatte, war es nicht gelungen, die geplanten sechs F126 mit seinen deutschen Werftpartnern zeitgerecht zu fertigen. Der zunächst vorgesehene Ablieferungstermin 2028 für die erste F126 war bereits auf 2032 verschoben worden. Das Bundesverteidigungsministerium entzog Damen Naval deshalb Ende 2025 den Generalauftrag.

Das Unternehmen Naval Vessels Lürssen (NVL) sollte den Bau der F126 übernehmen und zu Ende bringen. Im März hatte der Rüstungskonzern Rheinmetall NVL übernommen und damit gerechnet, im Sommer den Generalauftrag für die F126 zu bekommen. Überraschend stoppte das Ministerium aber Ende Juni den Bau der Fregatten. Begründung: Die sechs F126 hätten nach neuester Kalkulation bis zu 18 Milliarden Euro gekostet, zuvor hatte der Bund mit zehn Milliarden Euro gerechnet. Die Ablieferung der F126 – frühestens von 2031 an – erschien aus Sicht der Deutschen Marine zudem zu spät mit Blick auf Deutschlands Bündnisverpflichtungen in der Nato.

Die F128 – bislang MEKO A-200 DEU – basiert auf einem bislang vielfach von TKMS speziell für den Export gebauten Modell. Das Schiff wird mit 121 Metern zwar deutlich kleiner sein, als es die F126 mit 166 Metern geworden wäre. TKMS verspricht dennoch eine hohe Leistungsfähigkeit des technologisch modernisierten U-Boot-Jägers: „Die Entscheidung für die MEKO A-200 DEU setzt auch ein wichtiges Signal für die maritime Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Deutschland und unterstreicht die Bedeutung leistungsfähiger nationaler maritimer Kompetenzen für die Landes- und Bündnisverteidigung“, sagte Burkhard.

Bislang ist geplant, dass das Unternehmen Rönner in Bremerhaven den Stahlbau für die F128 ausführt. In Kiel oder in Bremerhaven könnten die Fregatten dann endausgestattet werden. TKMS bietet derzeit um die Übernahme der benachbarten Werft German Naval Yards in Kiel. Auch diese Werft könnte – bekäme TKMS den Zuschlag – in den Bau der F128 einbezogen werden.

Um den Bau der für die Luftverteidigung vorgesehenen Fregatte F127 bewirbt sich TKMS in einem Konsortium mit der Marinesparte von Rheinmetall. Das Konsortium ist der einzige Bieter. Über den Auftrag entscheiden das Bundesverteidigungsministerium und der Bundestag voraussichtlich Anfang 2027.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft und auch über die Marinerüstung.

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