Der Pächter der Schlei-Fähre „Missunde III“ hat seinen Vertrag gekündigt, habe ich diese Woche gelesen. Das müsste eine größere Öffentlichkeit nicht interessieren. Aber wer sich mit der Geschichte der „Missunde III“ befasst, der versteht, warum unser Land auf eine ernsthafte Krise zusteuert.
Das Wichtigste vorneweg: Die „Missunde III“ ist eine Elektro-Fähre. Ihr Vorgänger, die „Missunde II“, hatte einen Diesel-Antrieb. Die alte Fähre war ein bisschen wie Deutschland. Sie war nicht besonders modern oder schick, aber zuverlässig. Sie tat, was eine Fähre tun soll: Sie brachte in Schleswig-Holstein Menschen zuverlässig von einem Ufer ans andere. Und zwar bei fast jedem Wetter. Selbst Windstärke 9 bis 10 – also stürmisches Wetter – konnten ihr kaum etwas anhaben.
Aber sie war nun mal alt. Also beschloss man, sie durch eine moderne, größere Solar-Fähre zu ersetzen. Jahrelang wurde geplant, gebaut, getestet, nachgebessert und verschoben. Millionen Euro flossen in das Prestigeprojekt. Die Zukunft sollte auf der Schlei beginnen.
Weil man die alte Fähre also bald nicht mehr brauchen würde, verscherbelte man sie zum Schrottpreis von 17.000 Euro. Die neue Fähre sollte rund 2,5 Millionen Euro kosten und 2022 in Betrieb gehen. Heute wissen wir: Aus 2,5 Millionen wurden mehr als fünf Millionen Euro. Aus 2022 wurde 2026. Und aus einem Vorzeigeprojekt wurde eine Chronik aus Verzögerungen, Umbauten und Pannen.
Der absurdeste Punkt der ganzen Geschichte: Die neue Millionenfähre bekam Probleme beim sicheren Anlegen – und zwar bereits ab Windstärke 3.
Windstärke 3! Das ist laut Beaufort-Skala eine schwache Brise. Blätter rascheln. Fahnen wehen. Dünne Zweige bewegen sich. Für Norddeutsche wie mich: schönes Wetter.
Die alte Fähre konnte noch bei Windstärke 9 fahren. Die neue hat Probleme bei Windstärke 3. Aber sie hat ja bis dahin auch nur mehr als fünf Millionen Euro gekostet.
Und nun? Ganz einfach: Die alte „Missunde II“ musste wieder her. Für schlappe 50.000 Euro gab sie der Käufer, ein Däne, wieder her – aber nur für ein paar Monate. Bis die „Missunde III“ endlich flott ist. Aber das ging nicht so schnell. Und so zahlte der Staat (also wir alle) nochmal 50.000 Euro für ein paar Monate Verlängerung. Was für ein Geschäft: 17.000 Euro bekommen, 100.000 Euro bezahlt.
Wenn mein Nachbar mir erzählen würde, er habe sein altes Auto für 17.000 Euro verkauft und später für 100.000 Euro zurückgekauft, weil der neue Wagen nicht fährt, würde ich ihn fragen, ob er noch ganz dicht ist.
Die Geschichte der „Missunde II“ und „Missunde III“ ist mehr als eine norddeutsche Provinzposse. Man könnte darüber lachen, wenn es nicht unser Geld wäre. Ich finde es auch erstaunlich, dass niemand irgendwann aufgestanden ist und gesagt hat: Hört mal, das wird hier gerade absurd.
Aktuell ist der Fährverkehr über die Schlei mal wieder unterbrochen. Die „Missunde III“ ist Pfingsten leider kaputtgegangen. Das schwarz-grün regierte Land will an der „Missunde III“ festhalten. Nur der Pächter hat die Schnauze voll. Geredet wird auch darüber, ob die „Missunde III“ durch die „Missunde IV“ ersetzt werden könnte. Kleiner vielleicht, auch elektrisch. Problem nur: Der Neubau wird Jahre dauern. Und wieder viel Geld kosten.
Ich weiß nur eins: Wenn ich so mit meinem Geld umgehen würde, wäre ich pleite. Aber der Staat macht einfach weiter.