Washington – Wie groß wird der „Trump-Faktor“ bei der heute startenden Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada? Donald Trump (79) gefällt sich sichtlich in der Rolle als Gastgeber des „größten Sportereignisses der Welt“, wie der US-Präsident sagt. Die USA richten 78 der insgesamt 104 Spiele aus – in Atlanta, Boston, Dallas, Houston, Kansas City, Los Angeles, Miami, New York/New Jersey, Philadelphia, San Francisco und Seattle. Mehr als fünf Millionen Fans werden erwartet.
Doch an Kontroversen mangelt es nicht: Der Irankrieg läuft während der WM weiter! Dramen an der Grenze, Wucherpreise und Verkehrsprobleme generieren Schlagzeilen. Aber was ist eigentlich Trumps Plan für das Fußball-Weltfest? Sicherlich: Er will die WM als Triumph verkaufen – als globales Mega-Event unter seiner Präsidentschaft (auch wenn „Soccer“ kaum zu seinen Lieblingssportarten zählen dürfte).
Trump in der ersten Turnierphase abgelenkt
Trump arbeitete jedenfalls eng und harmonisch mit Fifa-Chef Gianni Infantino (56) zusammen. Der Präsident lobte ihn als einen der „größten Männer des Sports“. Dazu freut sich Trump über den Wirtschaftsboom: Die WM könnte 30 Milliarden Dollar in die US-Ökonomie pumpen und 200.000 Jobs schaffen. In der ersten Turnierphase dürfte er jedoch abgelenkt sein. Wegen zweier runder Geburtstage! Zuerst sein eigener Achtziger am Sonntag, den er mit UFC-Kämpfen vor dem Weißen Haus begeht. Dann der 250. Geburtstag der USA am 4. Juli.
Iran-Konflikt überschattet die WM
Auch der Iran-Faktor überschattet die Fußballwochen: Trump konnte den Konflikt nicht wie insgeheim erhofft vor dem WM-Start beenden. Im Gegenteil: Gerade drohte er mit neuen Luftschlägen – Gastgeber- und Teilnehmerland befinden sich also im Kriegszustand! Für das iranische Team wurde die Teilnahme zum Spießrutenlauf: Die Mannschaft muss vom Trainingslager in Tijuana (Mexiko) aus zu den Spielen in den USA pendeln. Strengste Sicherheitschecks inklusive. Exil-Iraner bejubelten aber, dass einigen Funktionären des Mullah-Regimes die Einreise verwehrt wurde.
Sogar Match zwischen USA und Iran möglich
Möglich ist sogar ein Match zwischen den Kriegsnationen – es wäre das politisch explosivste Duell des Turniers. Sollten beide Teams Gruppenzweite werden, stünden sich die USA und der Iran am 3. Juli in Arlington (Texas) gegenüber.
Über der „Trump-WM“ schwebt auch der Schatten der Abschiebebehörde ICE. Zwar wurde zugesichert, dass es rund um die Stadien keine Razzien geben soll. Dennoch sorgt Trumps harte Einwanderungspolitik für Irritationen. So wurde dem somalischen WM-Schiedsrichter Omar Abdulkadir Artan die Einreise verweigert. Zudem nahmen Behörden einen Stürmer sowie den offiziellen Fotografen der irakischen Mannschaft fest.
Stadionbesuche werden für Trump zum Risiko
Trotz allem: Kann sich Trump durch die Fußball-Euphorie aus dem Umfragetief befreien? Er wird versuchen, politisch zu punkten, glaubt Politik-Professor Scott Erb gegenüber BILD: „Er will sicher die WM für sich nutzen und sich als Mann darstellen, der die Spiele in die USA gebracht hat – aber er könnte leicht selbst zum Störfaktor werden!“
Besonders Stadionbesuche sind riskant
Gerade wurde Trump in New York bei einem NBA-Finalspiel zwischen den Knicks und den Spurs ausgebuht. Fix scheint seine Teilnahme derzeit nur beim WM-Finale in New Jersey am 19. Juli.
Die WM könnte dem Ansehen der USA helfen – aber nicht Trump, sagt US-Politologe Jonathan Cristol zu BILD: „Viele Fans und Spieler werden erleben, dass die Menschen in den amerikanischen Gastgeberstädten freundlich, hilfsbereit und offen sind – aber ich denke auch, dass Trump mit möglichen beleidigenden Aussagen über teilnehmende Länder da nicht ganz so gut in Erinnerung bleiben wird!“