Alte Eichen knarren gerne laut. In seiner ersten Talkshow nach seiner Wahl zum neuen FDP-Chef hat Wolfgang Kubicki (74) bei Sandra Maischberger (59) Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) mit Vorgänger Olaf Scholz (67, SPD) verglichen. Sein Urteil? Schonungslos.
Harte Kritik an Friedrich Merz
„Olaf Scholz war ein sehr akribischer, man würde auf Deutsch sagen: Aktenfresser. Er war wirklich im Detail, was man von Friedrich Merz nicht behaupten kann“, sagt Wolfgang Kubicki. Die neuen Sympathien mancher Liberaler für Scholz kommentierte Kubicki in schmerzlicher Erinnerung an den brutalen Rauswurf seiner FDP aus der Ampel allerdings äußerst kritisch: „Wenn ich heute die Mitteilung bekomme, wir sehnen uns nach Olaf Scholz, dann sehen wir, wie tief wir gesunken sind.“ An Merz wiederum kritisierte der FDP-Chef vor allem, „dass er nicht mehr weiß, wie das Spiel funktioniert, und dass er unglaublich schlecht kommuniziert. Das Erwartungsmanagement ist unterirdisch.“
Kubicki: Wurde von Strack-Zimmermann überrascht
Besonders ausführlich schilderte Kubicki seine plötzlich aufgeflammte Rivalität mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68). Früher hatte er sie und sich selbst schon mal als „Silberlocke und Grauburgunder“ betitelt. Seit der Kampfabstimmung auf dem Parteitag aber ist Kubicki deutlich auf Distanz. Sein Bericht über die FDP-Führung nach den jüngsten verheerenden Wahlschlappen: „Marie-Agnes kam glorreich auf die Idee, dass die alten Schlachtrösser das gemeinsam übernehmen müssen, und hat das öffentlich verkündet, ohne mich überhaupt vorher zu fragen. Da ist mir der Satz rausgerutscht: Ich bin schon verheiratet!“
Von Strack-Zimmermanns überraschender Gegenkandidatur habe er erst im allerletzten Moment erfahren. Sein Vorwurf: „Ich würde normalerweise erwarten, dass, wenn jemand sich am Abend vorher entscheidet, das dann wenigstens am Morgen sagt. Wir saßen vier Stunden in der Halle gemeinsam, und da wäre es das Einfachste gewesen, zu sagen: Wolfgang, ich habe mich auch entschieden, zu kandidieren. Da hätte ich gesagt, Marie, alles ganz toll. Da hätte ich meine Rede umstellen können.“
Brandmauer? „Das ist doch absurd!“
Über die Brandmauer wetterte der FDP-Chef: „Wenn demokratische Parteien auf die Idee kommen, Anträge nicht mehr zu stellen, weil die Gefahr bestehen könnte, die AfD stimmt zu, dann machen sie sich klein und werden von den Menschen nicht mehr ernst genommen. Wenn ich der Auffassung bin, wir brauchen ein Krankenhaus – dann ist mir völlig egal, wer noch zustimmt. Es sei denn, ich sage: Das Krankenhaus ist nicht wichtig, mir ist wichtiger, dass ich von der richtigen Seite die Zustimmung bekomme. Das ist doch absurd!“
Keine Zeit für Kinderkram
Kubickis klare Ansage bei Maischberger: „Wir müssen Wahlen gewinnen, alles andere ist Kinderkram. Ich fühle mich fit und finde auch, dass ein 74-Jähriger einen 70-Jährigen herausfordern kann. Ich habe mir gesagt: Jetzt mobilisierst du noch den Rest deiner Kräfte, um der Partei eine Zukunft zu ermöglichen. Ich bin nicht die Zukunft der FDP, aber die Partei braucht eine Zukunft.“