Istanbul – In der Türkei sind queere Touristen nicht willkommen! Die Regierung untersagte einem Kreuzfahrtschiff mit rund 2700 Passagieren aus 50 Nationen kurzfristig die Einfahrt in türkische Häfen. Die „Scarlet Lady“ der Reederei Virgin Voyages des britischen Milliardärs Richard Branson, die im Auftrag des Reiseveranstalters Atlantis Events unterwegs ist, darf u.a. nicht in Istanbul anlegen. Das Unternehmen organisiert Kreuzfahrten für ein LGBTQ+-Publikum. Angeblich entsprächen die Gäste nicht den „moralischen Standards“ und verstießen gegen „familiäre Werte“.
Das Schiff sollte am Dienstag (7. Juli) in Kuşadası in der westlichen Ägäis anlegen und anschließend zwei Tage in Istanbul verbringen.
Der Reiseveranstalter Atlantis Events informierte in einem Statement auf seiner Internetseite über den Zwischenfall: „Leider wurden wir von den türkischen Behörden darüber informiert, dass die ‚Scarlet Lady‘ während dieser Reise weder in Kusadasi noch in Istanbul anlegen darf.“ Als Begründung für die Absage seien „moralische Standards“ und „familiäre Werte“ von der Regierung genannt worden, berichtete u.a. CNN.
Reise-Route wurde geändert
Nach der Absage änderte der Veranstalter die Route. Statt über die türkischen Häfen führt die Kreuzfahrt nun über Alexandria in Ägypten und Heraklion auf Kreta. Die Reise mit vielen Partys vom 5. bis 15. Juli (Reisepreis: rund 1900 Dollar) startete in Piräus bei Athen und sollte u.a. weitere Stationen in Italien und Kroatien anfahren.
Behörden veröffentlichten Erklärung auf X
Die Behörden der Urlaubs-Provinz Aydın, in der Kuşadası liegt (nur 20 km nordwestlich sind die Ruinen von Ephesos), veröffentlichten auf der Plattform X eine Erklärung. Darin heißt es, das Kreuzfahrtschiff sei von Gruppen gechartert worden, deren Verhalten nach Auffassung der Behörden nicht mit der gesellschaftlichen Struktur und den moralischen Werten des Landes vereinbar sei. Ein Besuch der Provinz komme deshalb nicht infrage: Auf Social-Media-Plattformen habe die „Veranstaltung“ deshalb für große Unruhe gesorgt.
Die ägyptischen Behörden dagegen haben offenbar keine moralischen Bedenken, obwohl Ägypten auch nicht wirklich als LGBTQ+-freundliches Land bekannt ist. Atlantis Events ist seit seiner Gründung 1991 auf LGBTQ+-Reisen spezialisiert und gilt als einer der weltweit größten Veranstalter in diesem Bereich. Die Marke richtet sich dabei vor allem an homosexuelle Männer, heißt aber ausdrücklich auch lesbische Frauen sowie andere LGBTQ+-Reisende willkommen.